B. DER LEBENSRAUM DER AUSWANDERER
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Im 19. Jahrhundert war das Burgenland ein weder admini-strativ noch auch ethnohistorisch geschlossener Raum ohnepolitisch einigendes Bewußtsein besonders anfällig fürden Bazillus der Auswanderung, da die Identifizierung derMenschen mit ihrer Heimat, die durch die äußerst beengtenwirtschaftlichen Gegebenheiten und durch die Überbevölkerungzu einem echten Notstandsgebiet geworden war, durch nichtserleichtert, durch die Grenzlage mit ihren wechselnden Ge-gebenheiten und Loyalitätsorientierungen aber ungeheuer er-schwert wurde. Was uns heute wie verklungene ländliche Roman-tik erscheinen könnte, verrät bei näherem Hinsehen Not,Elend und Hoffnungslosigkeit der Boden, auf dem Emigrationgedeiht.16
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10) Alte Bauern in schwarzer Sonntagskleidung mit" Firtach".11) Dorfstraße in Dörfl vor 1900.
12) Dorfanger im Seewinkel.
13) Bauer beim Dengeln der Sense mit Getreideumlegevorrich-
tung.
14) Bäuerin mit hölzernem Stoßbutterfaẞ.
15) Strohgedeckter Streckhof eines Kleinhäuslers.
16) Strohgedeckter Streckhof eines mittelburgenländischen
Dorfes.
C. DER HISTORISCHE ABLAUF DER AMERIKAWANDERUNG
Die erste Phase der Amerikawanderung ist gekennzeichnet durchkleinere Gruppen, die sich als Vortrupps oder Kundschafterverstehen lassen, um die Gegebenheiten nach Hause zu über-mitteln. Diese Phase dauerte etwa dreißig Jahre und wurde ab1875 von der im großen Ausmaß einsetzenden" Old Immigration"abgelöst, die als Siedlungswanderung bezeichnet werden kann.Die um 1890 einsetzende" Industriewanderung" oder" New Immi-gration", die bis zum Ersten Weltkrieg anhielt, hatte dieIndustriegebiete der Ostküste zum Hauptziel und betraf in
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