Helene Grünn nennt Sesselkappen mit aufgebogenen Stirn-, Nak-ken- und Ohrenschirmen und einfache Pelzpudelhauben. Im Win-ter gab es Zipfelhauben, welche des Nachts in den ungeheiztenKammern vor Kälte schützten, aber welche auch untertags unterdem Hut getragen wurden. An Hutformen kamen der Zylinder vor,aber auch breite Schlapphüte oder schmalkrempige Reindlhüte.Im Voralpengebiet trug man niedrige Halbzylinder, die nicht sel-ten mit Goldband, Schnalle oder Quasten verziert waren( vgl. Kat.Nr. 72, ÖMV 39.625). Im 20. Jahrhundert setzte sich die Lust angebirglerischen Trachtenelementen durch, und man wandte sichallgemein dem„ Steirerhut" zu. Der Strohhut kommt bei denMännern ebenfalls vor, meist als Sonnenschutz bei der Arbeit inFeld und Weingarten.
Bei der Beschreibung der in Wien und Niederösterreich vorkom-menden Hauben möchte ich mich an die bereits in der einschlägi-gen Literatur von Leopold Schmidt, Franz Lipp, Helene Grünngeprägten Bezeichnungen halten. Bei manchen Hauben sind dieverschiedenen volksläufigen Benennungen übernommen wor-den, andere versuchte man auf Grund ihrer Form und ihresAussehens zu kennzeichnen. Die einfachste Haubenform, dasweiche Bodenhäubchen, war überall vertreten. Im Sommer war esaus leichtem Stoff oder aus Garn gehäkelt, im Winter oft ausBarchent. Neben der Funktion als Nachthaube hatte es auchwieder die Aufgabe, als Unterhaube zu dienen. Es wurde unterdem Kopftuch getragen, unter Hüten und auch unter den in derBiedermeierzeit in Wien und Umgebung beliebten Strohschuten,die auch die Bezeichnung„ Heringsköpfe" trugen( vgl. Kat. Nr. 73,74, ÖMV 33.895 und ÖMV 13.807, Abb. 2).
Alle bisher genannten Kopfbedeckungen aus Wien und Nieder-Österreich waren einfacherer Art und wurden von breiten Bevölke-rungskreisen getragen. Daneben entwickelten sich aber auchstarre Hauben, welche teilweise ganz reich und kostbar ausge-stattet waren und welche nur als Kopfbedeckungen wohlhaben-der Frauen in Frage kamen. Die prächtigste unter den WienerHauben war die sogenannte„ reiche Goldhaube"( vgl. Kat. Nr. 75,76, ÖMV 65.102 und ÖMV ohne Nummer, Abb. 3). Es handelt sichdabei um eine Haube, deren erhöhter Gupf in reicher Goldspreng-arbeit ausgeführt ist. Der Wangenteil ist häufig durch eine odermehrere geflochtene Goldschnüre, welche am Haubengrund zu
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