Vorwort
Die volkskundliche Trachtenforschung, die angesichts der sozial-geschichtlich akzentuierten Ausweitung ihres Betrachtungsfeldeszunehmend sich ihrer herkömmlichen Bezeichnung begibt undzur ,, Kleidungsvolkskunde" wird, welche„ den Versuch macht,Motive und Tendenzen von Gruppenmoden umfassend zu erfor-schen",) wird auch in ihrer betonten Gegenwartsorientierung²)weiterhin nicht der historischen Dimension entraten können.,, Grundlage der historischen Bekleidungsforschung wie jeder hi-storischen Forschung( aber) ist ihr überlieferter Quellenbestand,der sich aus den originalen Textilstücken, den bildlichen undschriftlichen Quellen sowie aus der mündlichen Überlieferungzusammensetzt." ³) Die Sachzeugnisse, die überkommenen städti-schen und ländlichen Kleidungsstücke, die heute größtenteils inden Museen aufbewahrt werden, bilden in diesem Zusammen-hang die wichtigste Quelle für die Kleidungsweise vergangenerKulturepochen, auch wenn man sich dieser mit der entsprechen-den quellenkritischen Einstellung zu nähern hat( Frage zeitlicherund gesellschaftlicher Stellung, Gebrauchswert usw.).
Das offensichtlich neugeweckte Interesse an der Trachtenfor-schung oder Kleidungsvolkskunde auch in Österreich, welches
¹) Hermann Bausinger, Konzepte der Gegenwartsvolkskunde( Öster-reichische Zeitschrift für Volkskunde, Bd. XXXVIII/ 87, 1984, S. 95).2) Leopold Schmidt, Trachtenforschung und Gegenwartsvolkskunde(= Mitteilungen des Instituts für Gegenwartsvolkskunde, Nr. 3; Sonderab-druck aus dem Anzeiger der phil.- hist. Klasse der Österreichischen Aka-demie der Wissenschaften, 111. Jahrgang, 1974, So. 16, S. 387-410).3) Barbara Knüttel, Manns- und Weibskleider Glossar ::: zum Glossareintrag Weibskleider in Unterfranken. Nachlaẞ-inventare aus den Gerichtsbezirken Dettelbach, Kitzingen, Ochsenfurtund Sommershausen als Quellen zur Bekleidungsforschung(= Veröf-fentlichungen zur Volkskunde und Kulturgeschichte, hg. von WolfgangBrückner und Lenz Kriss- Rettenbeck, Band 15). Würzburg 1983, S. 1.
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