Formale Kriterien
Die Bedeckung des Hauptes, sei es zum Schutz vor Witterungs-einflüssen, sei es auf Grund von Moralvorstellungen frühererZeiten oder zu Schmuck- und Zierzwecken, kann auf unterschied-liche Art und Weise erfolgen. Die einfachste Form der Kopfhülleist zweifellos das Tuch, welches gefaltet, gebunden oder gesteckt,Gesicht und Haar nach Belieben mehr oder weniger verhüllenkann. Die Haube hingegen ist genäht. Sie besteht aus mindestenszwei oder mehreren Teilen, welche der Kopfform mehr oderweniger angepaßt sein können. Haube und Tuch ergänzen sich inihren Urformen, sind nicht immer leicht voneinander zu trennenund zu unterscheiden, die eine ist aus dem anderen entstanden.Mittelalterliche Gebände, welche sich zum Beispiel in der Bregen-zerwälder Trauertracht bis heute in einer bestimmten Form erhal-ten konnten, das schwarze Kopftuch der Oberösterreicherinnen,welches aus gesteiftem Taft besteht und in starrer Form Kopf undRücken der Trägerin bedeckt und nicht mehr für jedes Tragen neugebunden wird, oder die Lutzmannburger Haube, die ja in Wirk-lichkeit auch ein Tuch ist, obwohl sich im allgemeinen Sprachge-brauch dafür die Bezeichnung Haube eingebürgert hat, zeigendiese gegenseitigen Beziehungen ganz deutlich. Allein die Tatsa-che, daß die Bezeichnungen Tuch und Haube vertauschbar sind,zeigt, daß eine Grenze nicht scharf zu ziehen ist, daß beidenebeneinander existierten und verschiedene Entwicklungsstufendurchgemacht haben.
Als Grundtypus der Hauben kann die einfache Bodenhaube ange-sehen werden, welche ursprünglich in weicher Form existiert. Das17. und 18. Jahrhundert bringt neben den weichen auch starreHauben hervor, welche sich nicht mehr variabel der Kopfformanpassen. Die von der Haubenmacherin einmal festgelegte Formbleibt für alle Zeiten erhalten. Die älteren weichen Haubenformenlebten aber lange nach, einerseits in den Unterhauben, welcheunter Hüten und Tüchern getragen wurden, anderseits in den
20