Material und Herstellung
So vielfältig wie die Formen der Kopfbedeckungen ist auch dasMaterial, aus welchem sie hergestellt sind. Zur Herstellung vonHüten kommt als Rohmaterial Wolle, Haar oder Stroh in Frage.Der heilige Klemens gilt als Schutzpatron der Hutmacher, da erder Sage nach die Filzbereitung erfunden hat. Als armer wandern-der Mönch habe er Werg in seine Sandalen getan, welcher unterdem Druck, der Reibung und Feuchtigkeit der Füße zu einerfesten Masse, eben zu Filz, wurde.
Griechen und Römer kannten Filzhüte, bei den Germanen werdensie im 10. Jahrhundert erstmals genannt. Die Hüte des Mittelaltersund der Neuzeit bis etwa zur Mitte des 18. Jahrhunderts wurdenaus Wollfilz hergestellt, der meist aus Schafwolle erzeugt wurde.Unter Wolle verstehen die Hutmacher auch die Wollhaare derKaschmir- oder Tibetziege, die der Mohair- oder Angoraziege, diedes Alpakas, des Lamas oder des Kamels. Feinere Hüte erhielteneinen Überzug aus Hasen- oder Biberhaaren. Biberhüte warensehr teuer und daher vornehmen Leuten vorbehalten. Um 1730entdeckte man ein chemisches Beizverfahren, mit Hilfe dessenman reines Haar wie Wolle vollständig verfilzen konnte. Dazuwurde das Haar von Kaninchen, Hasen, Biber, Fischotter oderBisamratten verwendet. Ab dieser Zeit trennte sich die Herstel-lung des Haarhutes von jener des Wollhutes.
Bei der Huterzeugung unterscheidet man drei Arbeitsgänge, dasZurichten der Materialien( Wolle oder Haar), das Verfertigen derHüte( Formen), und das Färben, Steifen, Aufputzen und Staf-fieren.
Das Hutmacherhandwerk war im Mittelalter in Zünften organi-siert. Die älteste Nachricht darüber erscheint in einer KölnerZunftordnung aus dem 13. Jahrhundert. Der Verkauf der Hüteerfolgte meist durch den Meister selbst. Zu Beginn des 18. Jahr-hunderts wurde die Vorherrschaft der Zünfte aufgehoben, undfreie Manufakturen konnten sich entwickeln. Daneben bestand
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