Funktionale Aspekte
Die Schutzfunktion der Kopfbedeckungen stand wohl bei derEntwicklung von Kopfhüllen ursprünglich ganz im Vordergrund.Die Wortbedeutungen„ sich hüten",„ auf der Hut sein" erinnernnoch daran. Der Fingerhut ist ein Ding, welches die Näherin vorunerwünschten Nadelstichen schützen soll. Wird ein Kind beson-ders umsorgt und gehegt, spricht man von einer behüteten Kind-heit. Der breitrandige Strohhut bietet Schutz vor den sengendenStrahlen der Sonne, der dichte Filzhut hält den Regen ab, gegenWinterkälte schützen Woll- und Pelzhauben. Neben diesen unmit-telbaren Witterungseinflüssen können auch noch äußere mecha-nische Einwirkungen das Tragen einer Kopfbedeckung gebotenerscheinen lassen. Man denke an Sturz- und Feuerwehrhelme, andas dichte Netz- und Maschenwerk von Imkerhauben, an diewattierten Kinderhauben des Biedermeier, welche die Stürze beiersten wackligen Gehversuchen mildern sollten.
Neben dem Faktor des Schutzes stand bald in gleichem Ausmaßdie Bedeutung von Haube und Hut als wichtiges Schmuck- undZierelement der Kleidung. Durch Verwendung von kostbaren Ma-terialien wie Pelz, Samt, Seide, Brokat, Spitzen, durch die Verzie-rung mit Schnüren, Bändern und Maschen, mit Knöpfen, Schnal-len und Quasten, mit Federn und Blumen wurde aus der schüt-zenden Kopfbedeckung ein Zierstück der Männer- und Frauen-kleidung. ,, Ei, wo steckt die Gute/ mit dem Pfauenhute/ Die vergeßich nimmermehr/ und wenn's Leben ewig wär'!/", heißt es ineinem Tanzlied des Tannhäusers( um 1240-1270). Dicht mit Pfau-en- und anderen Federn geschmückte Hüte waren im Mittelalterbei den höheren Ständen in Mode. Dies liefert das Stichwort füreinen wichtigen Faktor in der Entwickung der Kleidersitten über-haupt. Was wann wo und wie lange„ in Mode" ist, hängt vonverschiedenen Einflüssen und Bedingungen ab. Ein wesentlichesElement dabei waren und sind die Vorbildwirkungen, die frühereinmal von Adel und Klerus, später vom gehobenen Bürgertum
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