Hauben- und Hutformen in denÖsterreichischen Trachtenlandschaften
Begibt man sich auf einen Streifzug durch Österreich auf derSuche nach alten Kopfbedeckungen, so begegnet man einerunglaublichen Vielfalt. Beginnt man dabei im östlichsten Bundes-land, dem Burgenland, so kann man das nicht tun, ohne derKopftücher Erwähnung zu tun. Im Burgenland hat das Kopftucheine wesentlich größere Bedeutung erlangt als die Haube odergar der Hut. Frauenhüte sind so gut wie gar nicht vorgekommen.Hauben haben sich zwar spärlich, aber immerhin doch erhalten,über Kopftücher gibt es jedoch Nachrichten in großer Zahl. DasKopftuch war in Ostösterreich ein fester Bestandteil der Arbeits-tracht aber es wurde genauso an Sonntagen getragen. Bei denweniger bemittelten Schichten hatte es die Funktion einer Haube.In Lutzmannsburg zum Beispiel trug man ein kompliziert gebun-denes Kopftuch, welches dort die Bezeichnung Haube trug. Eswurde über eine Versteifung am Scheitel gebunden, um ihm einebestimmte starre Form zu geben. Man benötigte dazu Hauben-bänder, welche gesteift und häufig kunstvoll verziert waren, wel-che hinten als Masche sichtbar wurden. Das Binden war einelangwierige Prozedur, welche längere Zeit erforderte( vgl. Kat.Nr. 53).
Im Warter Bezirk, in der Gegend von Oberschützen, Großpeters-dorf und Stegersbach, war ein Kopftuch üblich, welches dieBezeichnung„ Fetzen" trug. Es handelte sich dabei um ein gro-Bes, weißes Kopftuch, das meist sehr schön mit Weißstickereiverziert war. Es wurde im Nacken gebunden, ein Zipf steht dabeinach oben und einer nach unten( vgl. Kat. Nr. 54, LeihgabeBurgenländisches Landesmuseum). Weiters gab es im Burgen-land auch große Wintertücher, die„ Gugeln", welche weit über dieSchultern reichten. Ein Vergleich mit den im südsteirischen undslowenischen Raum beheimateten„ Petschen" bietet sich an. Siewaren aus warmem, dickem Wollstoff, an den Ecken verziert und
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