auf, besonders in den wohlhabenderen Schichten der Bevölkerung.Denn diese hatten das Privileg, Mobilar und Tischgerät zu besitzen; siekonnten die verschiedenartigsten Speisen und Getränke genießen undzur Darreichung und zum Verzehr entsprechendes Gerät benützen.Einhergehend mit dem zunehmenden Wohlstand auch der Bürger-schaft stieg das Bedürfnis nach Gegenständen, die der feinen Lebens-art Rechnung trugen. Gemeinsam mit dem edleren und teureren Silber,mit Horn und Elfenbein kam Zinn wieder mehr und mehr in Mode. Sowaren es jene Gefäße, die man in Haushalt und Küche als Eẞ- oderTrinkgeschirr verwenden konnte, aber auch jene Geräte, die in liturgi-schem Gebrauch der Kirche Verwendung fanden. Dennoch blieb vor-erst das Zinn, ähnlich wie das Silber, den reicheren Bevölkerungs-schichten vorbehalten.
Aus dem 14. und 15. Jahrhundert finden sich hauptsächlich Löffel,Teller, Krüge und Kannen z.T. mit reichlicher Verzierung, aber auchkirchliches Gerät wie die Gefäße für Wein und Wasser, die entspre-chend gekennzeichnet wurden: ein oben eingeritztes V stand für,, vinum", also Wein, und ein A für„ aqua", also Wasser. Mit demzunehmenden Absatz erweiterte sich das Angebot der Zinngieẞer, sodaß das Zinngerät über einige Jahrhunderte hinweg das bevorzugteMaterial überhaupt war. Glas, Keramik und Porzellan verdrängtenallmählich das Zinn, da diese Materialien leichter zu reinigen waren,aber auch bunter und glänzender und damit ansprechender sind. Das19. Jahrhundert schließlich bedeutete einen Tiefpunkt in der Zinnher-stellung und erst das 20. Jahrhundert entdeckte das Zinn wieder, soetwa die Künstler, die dem Jugendstil huldigten, oder jene der Art- Deco-Phase. Heute haben wir die Wahl zwischen kunsthandwerklich hoch-stehender Qualitätsware und industriell gefertigter Massenware. Es istin diesem Zusammenhang vieleicht nicht uninteressant zu erfahren, woz.B. ein Stück dieser Massenware Aufmerksamkeit erregt hat: hiezuein Situationsbericht aus dem Polizei- Gefangenenhaus auf der Roẞau-erlände vom 27.7.1934( Aus: Untergrund und Exil, Österreichs Sozia-listen zwischen 1934 und 1945/ Manfred Marschalek[ Hrsg.]. S. 64.-( Sozialistische Bibliothek)):„ Die Zellen sind größer und heller, imGroßen und Ganzen auch reiner als in den Bezirks- Kommissariaten,wiewohl auch hier an Ungeziefer kein Mangel ist. Eine Separierung derPolitischen erfolgt auch hier nicht. Auch hier brennt die ganze Nachtdas Licht. Geschlafen wird auf staubigen Strohsäcken ohne Leintuch,abends faßt man 2 Decken und ein Kopfpolster, beide nicht minderstaubig. In den Zellen gab es ein Klosett, Wasser konnte man aus
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