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Fingerringe : eine Sonderausstellung aus den Beständen den Museums ; Katalog
Entstehung
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VII. Ringe aus der Zeit

des Ersten Weltkrieges

a) Hufnagelring

Hufnägel und aus Hufnägeln gefertigte Fingerringe gelten etwa seitdem 17. Jahrhundert als Amulett und Glücksbringer( 1). Währenddes Ersten Weltkrieges wurden Hufnagelringe zum ersten Mal alsMassenartikel hergestellt. Die Wertschätzung als Glücksbringermag einer der Gründe gewesen sein. Die ,, Arbeiter- Zeitung" vom10. November 1914 bringt dazu unter der Überschrift ,, Notstands-arbeit in der Wiener Edelmetallindustrie"( 2) eine aufschlußreicheMitteilung der Organisation der Gold- und Silberschmiede: Unse-re Branche ist, nachdem sie ausschließlich den Bedürfnissen desLuxus dient, vollständig brachgelegt. Die Vertreter der Arbeiter-organisation sind daher mit der Genossenschaftsleitung in Füh-lung getreten, um der drückenden Not der Kollegenschaft etwas zusteuern. Es wurde als Notstandsarbeit der heute schon sehr ver-breitete und in allen Juwelengeschäften erhältliche Hufnagelring,der durch die Fürsorgestelle des Kriegsministeriums in Verkauf ge-bracht und auch gesetzlich geschützt wurde, als Massenartikel an-gefertigt. Die Einteilung und Ausgabe der Ringe geschieht aus-schließlich durch die Genossenschaft, und die Arbeiterorganisa-tion hat sich nur dahin einen Einfluß gesichert, daß die einzelnenMeister, die diese Ringe erhalten, auch veranlaßt werden, einigeArbeiter aufzunehmen. Ebenso wurde auf unser Ersuchen für deneinzelnen Ring ein Mindestlohn festgesetzt. Laut Bericht der Fach-zeitung der Juweliere, Gold- und Silberschmiede wurden vom2. September bis 24. Oktober rund 65.381 Stück Hufnagelringe anhundertfünfzig Meister ausgefolgt und von dieser Anzahl 49.331Stück fertig abgeliefert. Durch das Kriegshilfsbureau wurden35.310 Stück verkauft. Bei den angeführten 150 Meistern sind un-gefähr 130 Arbeiter beschäftigt."

Ende der siebziger Jahre wurde dieser Ringtypus wieder von Wie-ner Silberschmieden aufgegriffen und in Silber gefertigt als, Reiter-schmuck" verkauft.( 3)

Anmerkungen:( 1) Liselotte Hansmann und Lenz Kriss- Rettenbeck: Amulett und Ta-lisman. München 1966. Seite 169.

( 2) Arbeiter- Zeitung, Wien, 10. November 1914. Seite 7.

( 3) Freundliche Mitteilung von Herrn Peter Falk, Österreichisches Museum fürVolkskunde.

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