Einleitung
Dem Ring haftet seit jeher hoher Symbolwert an. In nahezu allenKulturen finden sich Berichte über Ringe, die man mit besonderenEigenschaften ausgestattet glaubte. Ringe heilten Krankheiten, er-weckten Tote zum Leben, weckten verzauberte Helden aus demSchlaf, feiten als Schutzring im Kampf. In Märchen und Sagen be-sitzen Ringe Zauberkräfte, sie verleihen ihrem Träger übernatürli-che Kräfte, sie erfüllen ihm jeglichen Wunsch, oft genügt eine klei-ne Drehung des Ringes, um dienstbare Geister erscheinen zu las-sen, um verschlossene Türen zu öffnen oder unsichtbar zu wer-den. Der Hirte Gyges fand in einem unterirdischen Grab einen gol-denen Ring am Finger eines toten Riesen und entdeckte, daß derTräger bei Drehung des Ringes unsichtbar wurde. Kraft dieses my-steriösen Ringes konnte er alle seine Gegner töten und sich dieKönigsherrschaft aneignen. König Salomo bändigte mit einem Sie-gelring, dem der Name Gottes und die Formeln der Macht und derHerrschaft eingraviert waren, die Dämonen der Erde, der Luft unddes Wassers, worauf sie ihm halfen, den Tempel des Herrn in Jeru-salem zu bauen. Bis heute nehmen Schriftsteller für ihre Romaneund Dramen Motive aus diesen Sagen und Märchen. Kaum ein an-deres Schmuckstück ist dem Menschen so verbunden wie der Fin-gerring. Der Ursprung all dieser Vorstellungen beruht auf der Form,die zunächst als Kreis gesehen werden muß. Die magische Kraftdes Kreises schließt ein und schließt aus, bannt hinein oder hinaus.Der Ring, der Kreis, der keinen Anfang und kein Ende hat, symbo-lisiert die Ewigkeit, das Unauflösliche. Vielschichtig ist die Bedeu-tung des Ringes, man kennt ihn als Liebes- und Ehering, als Amu-lett, Siegel, Symbol des Reichtums, der Macht und der Auszeich-nung. Die Ausstellung kann nur einige Aspekte hervorheben.Im Zuge der weiteren Aufarbeitung der Schmuckbestände desÖsterreichischen Museums für Volkskunde wurde nach den Aus-stellungen ,, Schmuck aus Haaren“ und„ Zumachen- Aufmachen"diesmal die Gruppe der Fingerringe herausgegriffen. Eine Vielfaltvon Ringen ist seit Gründung des Museums im Jahre 1895 bis indie dreißiger Jahre unseres Jahrhunderts von Freunden des Mu-seums und Vereinsmitgliedern gewidmet oder angekauft worden,ein geringer Teil wurde danach und während der Vorbereitungs-arbeit für die Ausstellung erworben. Hauptanliegen der Ausstel-lung ist eine erstmalige Bearbeitung des Bestandes nach tech-
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