Die Wallfahrt König Ferdinands V. von Ungarnnach Maria Zell im Jahre 1833 in den Bildernvon Eduard Gurk
Von Rupert Feuchtmüller
Dem Niederösterreichischen Landesmuseum, das seine Erwerbungstätigkeit vor-nehmlich auf kulturgeschichtlich interessante Werke ausgerichtet hat, gelang mit demAnkauf von 40 Aquarellen des Malers Eduard Gurk eine sehr bedeutsame Bereiche-rung. Es handelt sich um ein Mappenwerk, das noch niemals ausgestellt war. Es kamdirekt aus ehemals kaiserlichem Besitz in das Niederösterreichische Landesmuseum. Die40 Aquarelle haben ein Titelblatt mit folgender Inschrift: ,, Mahlerische Reise von Wiennach Maria Zell in Steyermark, dargestellt in drey Tagreisen und nach der Natur auf-genommen im Jahre 1833 in Begleitung Sr. Majestät des jüngeren Königs von UngarnFerdinand dem Fünften, von Eduard Gurk." Es folgt dann eine Aufzählung der ein-zelnen Blätter, in drei Tagereisen gegliedert. Die Einteilung liegt der folgenden Beschrei-bung zugrunde. 1
Vorerst einiges über den Künstler dieser Serie. Eduard Gurk, Maler und Kupfer-stecher, wurde am 17. Februar 1801 in Wien geboren. Sein künstlerischer Werdegangwar durch seinen Vater Josef Ignaz bestimmt, der ihn als Schüler und Mitarbeiter aus-gebildet hatte. Der Vater erhielt als Kunstsammlungs- und Bibliotheksbeamter des Für-sten Nikolaus Esterhazy in Schloß Esterhaza und in den Besitzungen in Penzing beiWien neben der künstlerischen Bildung auch die nötige historische Einstellung. Währendeiner Kunstreise, die ihn durch ganz Europa und nach England führte, hatte er gemein-sam mit seinem Sohn Eduard Aquarellstudien betrieben. Nach Wien zurückgekehrt,wurde Eduard in der Stecherkunst ausgebildet. Seit 1822 beteiligte er sich an den Aus-stellungen der Wiener Akademie in St. Anna mit Aquarellen„ Vorzüglicher Gebäudeund Monumente der Stadt Wien". 1823 gab er diese Serie gemeinsam mit seinem Vater,mit Sigmund Ferdinand von Perger und J. von Lutz als Folge handkolorierter Sticheheraus. Seit 1830 war er ein beständiger Begleiter Erzherzog Ferdinands. Für ihn zeich-nete er eine Reihe von 36,, Erinnerungsblättern an die Krönung Erzherzog Ferdinandszum König von Ungarn in Preßburg". Ihr folgten ähnliche Aquarell- Serien über diePrager und Mailänder Krönungseinzüge sowie Reiseveduten aus Österreich- Ungarn, diesich zum Teil in den Bänden der Fideikommiß- Sammlung der Wiener Albertina befin-den. Sie zeigen die Bedeutung des Malers, dessen Arbeiten ein größeres Interesse verdie-nen würden. Hier sei etwa auf die topographisch interessanten Arbeiten über die Fran-zensburg, die große Überschwemmung in Wien, den Eisstoß auf der Donau, über dasInnere der Adelsberger Grotte oder das Salzbergwerk in Daniellowcz- Wieliczka bei
1 Die Aquarelle( Inv.-Nr. 6536, 1-40) haben ein Format von 22,5 X 31 cm, die Blätterselber sind 32,5 X 42,5 cm groß. Jedes Aquarell ist von einem feinen grauen Streifen mit Gold-linie gerahmt und beschrieben. Die Blätter 1, 14 und 17 sind signiert. Blatt 1 trägt dasDatum 1833, Blatt 15 und 17 das Datum 1834.
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