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Via sacra : das Wallfahrtsmuseum in Kleinmariazell
Entstehung
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25. Zahlungs Extract pro Anno militari 1776, Steuervorschreibungan den Abt.

1776

38 x 28 cm

RAUM II

Die Via sacra"

In dem ehemaligen Versammlungsraum der Mönche findet die Via sacra", dieheilige Straße, das ist der Pilgerweg von Wien nach Mariazell in der Steiermark, ihreDarstellung. In den Orten an der heiligen Straße fanden die Wallfahrer nicht nur dienötige Erholung, hier verrichteten sie ihre Andachten, so daß den Wallfahrtsstationenauch der Charakter von Wallfahrtsheiligtümern zukam. Fromme Stiftungen ließen zahl-reiche Bildstöcke und Kapellen errichten. Die, Via sacra" mit ihrem umliegenden Land,ihren Klöstern und Stiften, Kirchen in den Dörfern und Märkten wurde in vielen Jahr-hunderten zu einer eindrucksvollen Kultlandschaft. In dieser finden sich, umgeben vonvielfältigen Naturschönheiten, trotz vieler Notzeiten, Zeugen der Geschichte und her-vorragende Denkmäler der Romanik, Früh- und Hochgotik, des Früh- und Hochbarockwie auch aus der Zeit der Romantik. 27( Abb. 4)

Zur Orientierung über die geographische Lage befindet sich in dem Mittelteil destonnengewölbten Raumes ein Relief mit den bezeichneten Stationen und Raststellen derPilger sowie den Heiligtümern, die in unmittelbarer Nachbarschaft der Pilgerstraßeliegen.

Eine Übersichtskarte von Mariazell mit seinen Hauptwallfahrtsstraßen, Filialwall-fahrten und Prozessionsorten demonstriert die Situation um 1758.

Die Vorstellung über das Aussehen eines mittelalterlichen Pilgers ist durch ein Bild-nis des hl. Koloman, der bis 1663 Landespatron von Österreich war, gegeben. Dieserirische Pilger wurde 1012 auf der Rückkehr aus dem Hl. Land in Stockerau gemartertund dann gehängt. Markgraf Heinrich I. von Österreich ließ seine Gebeine nach Melküberführen. Er wurde als Märtyrer verehrt. 28

In 36 beleuchteten Wandvitrinen wird die Wallfahrt König Ferdinands V. vonUngarn 29 nach Mariazell von Eduard Gurk im Jahre 1833 bildhaft dargestellt. Diese40 Blatt umfassende Aquarellserie ist der malerische Bericht einer Wallfahrt des19. Jahrhunderts von Wien nach Mariazell über die Stationen und Gnadenstätten ander ,, Via sacra", mit den Schilderungen der Bevölkerung und ihrer Bräuche, Wiedergabeder Naturschönheiten und der historischen Besonderheiten der Landschaft. Die Reisedauerte drei Tage. Die letzten sieben Blätter sind dem Heiligtum in Mariazell gewid-met. Sie befassen sich mit drei Außen- und vier Innenansichten der Kirche, der Gnaden-mutter und der Schatzkammer.

Die Fußwallfahrt führte an Kirchen, Kapellen, Bildbäumen, Marterln und Bild-stöcken vorbei, die zur frommen Einkehr, zu Gebet und Lied einluden. Zur Erinnerungdaran wird von den Wallfahrern ein, Heiligenbild", ein kleines Andachtsbild, erworbenund in das Gebetbuch gelegt. Diese Abbilder der Gnadenheiligtümer und Schutzpatronesind gelegentlich mit Herzens- und Glaubenssymbolen ausgestattet. Sie waren auch

27 Vgl. Bildband B. Pflaum und Th. F. Meysels, Via Sacra- Die Pilgerstraßenach Mariazell, Wien.

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28 O. Wimmer, Handbuch und Namen der Heiligen. Innsbruck 1959, S. 308.29 König Ferdinand V. von Ungarn wurde 1835 Kaiser Ferdinand I. von Österreich.