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Via sacra : das Wallfahrtsmuseum in Kleinmariazell
Entstehung
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KATALOG

RAUM I

Das Kloster Mariazell in Österreich

Das Kloster führte bei seiner Gründung den Namen Cella S. Mariae, Marienzelle,aber auch Alt- Zell, Moorenzell, Zell im Walde, Mariazell in Österreich, Mariazell imWienerwald, und wurde erst im 19. Jahrhundert in Kleinmariazell" umbenannt. 1

Die Klostergründung geht auf die Schenkung der Grafen Heinrich und Rapoto vonSchwarzenburg im Jahre 1135 zurück. Die beiden Brüder, die letzten Vertreter diesesHochadelsgeschlechtes der Schwarzenburg- Nöstacher, waren kinderlos geblieben undverschenkten ihren gesamten Besitz, darunter die Pankraziburg, die aus einer mit Seel-sorgefunktion ausgestatteten Kapelle und dem Schloß bestand, für die Errichtung einesKlosters. Dieser alte Sitz 3 der beiden Stifter blieb bis zur Aufhebung beim KlosterMariazell in Österreich. 4 Damit war die Grundlage geschaffen, daß Markgraf Leo-pold III. das Kloster ausbauen konnte. 5 Die Gründungsgeschichte ist wissenschaftlichnicht exakt faẞbar. Dieses neugegründete Stift wurde dem Benediktinerorden gewid-met, die ersten sechs Mönche kamen mit ihrem Abt Azelinus aus Niederaltaich inBayern.

Das ehemalige Benediktinerstift liegt am Rande des Wienerwaldes, unmittelbar ander ,, Via sacra", der alten Pilgerstraße, die von Wien nach Mariazell in der Steiermark

1 O. Eigner, Geschichte des aufgehobenen Benediktinerstiftes Mariazell in Österreich.Wien 1909.

2 Topographie von Niederösterreich, Bd. VII, S. 320 ff.; Österreichische Kunsttopographie,Bd. VIII, S. 300 ff.

3 Der Stiftungsbrief von Kleinmariazell spricht von einer, urbs Schwarzenberg", welchevon alters her auch Nezta genannt wurde. Vgl. P. Paßler, Die Rotte Hafnerberg und dieOrtsgemeinde Nöstach, Heimatkunde des Bezirkes Baden. Wien 1928, S. 336.

4 K. Lechner, Die Gründung des Klosters Mariazell im Wienerwald, in: K. Lech-ner, Ausgewählte Schriften, herausgegeben von K. Vancsa, Wien 1947, S. 69 ff.

5 K. Gutkas, Geschichte des Landes Niederösterreich. St. Pölten 1973, S. 52, 53. Bild-dokumentation: Auf Tafel 13 des ,, Babenberger Stammbaumes 1489-1493" im Stift Kloster-neuburg sind der Markgraf, Sand Leopold" und seine Söhne Adalbert und Otto mit seinenStiftungen Klosterneuburg, Heiligenkreuz und Kleinmariazell dargestellt.

Wie Anm. 4. Der Stiftbrief ist nur in Abschrift erhalten... aber die Schenkung derbeiden Brüder klingt echt... bis auf die weitere Mitteilung Markgraf Leopolds ,, daß er, da dieBrüder mit der Errichtung der Kultstätte zu lange zögerten, ihnen zuvorkam und das Klosterauf seiner Gerechtsame gegründet hat und daß er zugleich die Vogtei über das Kloster über-nehme... Darauf folgen verschiedene Sicherungen." K. Lechner bezeichnet diese als außer-gewöhnliche Sicherungen, die darauf schließen lassen, daß hier manches nicht mit rechten Din-gen zugegangen war. In diesem Stiftbrief sind viele Geschlechternamen als Zeugen angeführt,die beiden Stifter aber fehlen in der Aufzählung. Vergleichende Forschungen erbrachten, daßes sich wohl um ein Gut handelte, auf das der Markgraf Erbansprüche hatte und dessen Schen-kung an ein Kloster- vielleicht sogar ohne Zustimmung- er nach germanischer Rechts-anschauung bestritt, und zwar zu Lebzeiten der Stifter. Die Urkunde, die erhalten ist, ver-schweigt oder verschleiert den wahren Sachverhalt.

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