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Via sacra : das Wallfahrtsmuseum in Kleinmariazell
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Wegweiser zur Magna Mater Austriae

Denkmale der Volksfrömmigkeit an der Via sacra

In memoriamJohann Nepomuk SchulmeisterDechant und Pfarrer in Klein- Mariazellermordet am 11. Jänner 1969

Von Emil Schneeweis

Über das Imperium Romanum, das Römische Weltreich, ist uns der sprichwörtlichgewordene Satz geläufig: Alle Wege führen nach Rom." Und von Österreich könnenwir füglich, besonders bei historischer Betrachtung, sagen: Alle Wege führen nachMariazell."

War doch dieser Kultort mit seinen in graue Vorzeit zurückreichenden Wurzeln 1schon aus dunklen Gründungstagen her dazu berufen, ein übernationales religiöses Zen-trum des Vielvölkerstaates zu werden und zu sein.

Nun gab es natürlich viele Wallfahrtswege nach diesem Zentripunkt"; aber derWeg, die Heilige Straße, war eben die Verbindung zwischen dem Thron des PaterPatriae, des Vaters des Vaterlandes in Wien, und dem Thron der Magna Mater Austriae,der Großen Mutter Österreichs, in Mariazell; eine Achse von patriotisch- sakraler Funk-tion, entsprechend dem Charakter dieses eigenartigen Staatswesens auch von übernatio-naler Relevanz. Und das jeweilige Staatsoberhaupt wußte oft genug diesen Weg zugehen, wenn es galt, Anliegen der von ihm repräsentierten Königreiche und Länder"vor den Gnadenthron der Gottesmutter zu bringen.

Dieser Heilige Weg nun ist nach Brauch und Sitte unseres Volkes von greif- undsichtbaren Monumenten der Volksfrömmigkeit markiert und geschmückt; und in An-sehung seiner Bedeutung möchte man erwarten, daß Weg und Wegzeichen in ihrerGesamtheit eine angemessene literarische und wissenschaftliche Würdigung verdient hät-ten. Bedauerlicherweise jedoch ist das verdienstliche Werk von Ernst Karl Winterzu diesem Thema fast nicht mehr greifbar, 2 und andere Veröffentlichungen werden derSache kaum, keinesfalls aber ihrer wissenschaftlichen Bedeutung gerecht. ³

Um so willkommener war es mir daher, daß ich im Jahre 1972 anläßlich einerTagung des Niederösterreichischen Bildungs- und Heimatwerkes einen Lichtbildervor-trag mit dem Titel Bildstöcke an der Via sacra" halten konnte; 4 er war zugleich ein

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1 Leopold Schmidt, Die Volkserzählung. Märchen Sage Legende Schwank.Berlin 1963, S. 183 ff.: Der mons Mumenalbe". Zur sagenhaften Vorgeschichte der Sakral-landschaft von Mariazell in der Steiermark.

2 Ernst K. Winter, Die Heilige Straße. Wien 1926.

Ich nenne hier nur: Barbara Pflaum Theodor F. Meysels, Via Sacra. DiePilgerstraße nach Mariazell. Wien 1962. Diese Publikation weist befremdliche Irrtümer auf, dieallerdings nicht nur Bildstöcke betreffen.

4 Emil Schneeweis, Bildstöcke an der Via Sacra. Niederösterreichische Volkskunde-tagung 1972( 12. Tagung der Arbeitsgemeinschaft für Volkskunde im NO Bildungs- und Hei-matwerk) in Pyhra.

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