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Via sacra : das Wallfahrtsmuseum in Kleinmariazell
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Beiträge

I

Via sacra

Zur Geschichte der Heiligen Straße" zwischen Wien und Mariazell

Von Leopold Schmidt

Ab und zu erinnert man sich heute noch des alten Verbindungsweges, den die Wall-fahret, die von Wien nach Mariazell zu Fuß pilgerten, traditionsgemäß einschlugen.Man weiß, daß sie sich bei den Paulanern auf der Wiedner Hauptstraße sammelten, daßsie von dort über den Wiener Berg auf einem alten ,, Wiener Weg" nach Brunn amGebirge gingen, von dort weiter nach Maria Enzersdorf und dort auf der heute nochso bezeichneten ,, Mariazeller Straße" zum Urlaubskreuz anstiegen, wo sie zum letztenMal nach Wien zurückschauen konnten. 1

Von dort ging der Weg durch den Wienerwald: Man pilgerte durch die Hinter-brühl, kam nach Gaaden zu der schon von Heiligenkreuz betreuten Pfarrkirche zumhl. Jakob, ging dann auf der mit Bildstöcken besetzten Waldstraße nach Heiligenkreuz,um dort andächtig Kreuzweg und Kloster zu besuchen. 2 Nun wandte man sich überAlland und Nöstach der hochaufragenden Wallfahrtskirche von Hafnerberg zu, umdie steile Straße ins Triestingtal hinunter weiterzueilen. Altenmarkt an der Triestingwurde passiert, Dornau mit seinem Christus in der Rast, endlich Kaumberg. Je nachMüdigkeit hatte man da oder dort übernachtet. Jedenfalls ging es weiter über Hainfeld,über St. Veit an der Gölsen nach Lilienfeld, dem zweiten Zisterzienserkloster an dieserHeiligen Straße.

Von diesem den Pilgern gastlich aufgetanen Stift zogen die Wallfahrer nun diemühsamere Strecke über Annaberg und Josefsberg, über Wienerbruck und Sebastians-berg schließlich nach Mariazell. Meist besuchte man die kleineren Gnadenstätten amWeg noch eigens, verhielt in Türnitz, besah sich nach Annaberg auch den Joachimsbergund fand sich besonders in jenem Voralpengebiet in einem von solchen kleineren undkleinsten Heiligtümern geradezu übersäten Gebiet. Das engere Einzugsgebiet von Maria-zell glich und gleicht auch heute noch einem ganzen geweihten Territorium. Die Klösterscheinen dabei immer noch mittelalterlich, die meisten Kirchen im Kern gotisch, aberhäufig barock überbaut, und die kleineren Gnadenstätten, die großen Wegkapellen, wie

1 Gustav Gugitz, Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. 5 Bde., Wien 1955 f.- Ernst Karl Winter, Die Heilige Straße. Der Pilgerweg von Wien nach Mariazell. Wien1926. Barbara Pflaum und Theodor F. Meysels, Via sacra. Die Pilgerstraße nachMariazell. Wien 1962. Leopold Schmidt, Volkskunde von Niederösterreich. 2 Bde.,

Horn 1966-1972.

2 Dagobert Frey, Das Stift Heiligenkreuz(= Österreichische Kunstbücher, Bd. 51-52).Wien- Augsburg 1926.- Derselbe, Die Denkmale des Stiftes Heiligenkreuz(= Oster-reichische Kunsttopographie, Bd. XIX). Wien 1926.

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