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Via sacra : das Wallfahrtsmuseum in Kleinmariazell
Entstehung
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etwa die Siebenbrünndlkapelle, sind reinstes Barock, im 17. und noch im 18. Jahrhun-dert aus den Mitteln frommer Stiftungen errichtet.

Keine Frage, daß die meisten dieser kleineren örtlichen Heiligtümer eine Doppel-funktion hatten und noch haben: sie waren zunächst selbständige Wallfahrtsziele. Mankonnte nach Maria Enzersdorf gehen, ohne daran zu denken, die Wallfahrerstraße nachMariazell weiter einzuschlagen. Man konnte durch das Triestingtal pilgern und mußtenicht über Kaumberg weiterwandern, sondern konnte sich rechter Hand seitab nachMariazell im Wienerwald begeben, etwa auch noch nach St. Corona am Schöpfl weiter-gehen. Was heute dem Wanderer, auch dem Autowanderer möglich ist, war auch demWallfahrer in alter Zeit durchaus erlaubt.

Wenn man sich heute dieser alten Gegebenheiten wieder vergewissert, wenn manauf die eine oder andere Weise die alte Wallfahrerstraße wieder begeht, versucht manunwillkürlich, sich eine Vorstellung vom Willen, von der Intention jener Tausendenund Abertausenden zu machen, die innerhalb von etwa sieben Jahrhunderten hiergewallfahrtet sind. Es gibt ja immer noch gewisse Gemeinsamkeiten, die uns mit jenenverbinden: vor allem die Landschaft, jenen großen grünen Keil mitten in Niederöster-reich südlich der Donau, durch den diese Pilgerwege führen.

Denn es war und ist ein grünes Stück Land, ein grünes Berg- und Waldland, durchdas der Weg heute wie ehedem geht. Ein Land ohne Städte, um es ganz deutlich zu sagen.Nach Wien kommt in dieser Richtung nach dem Südsüdwesten keine einzige stadtartigeSiedlung mehr, sie alle liegen am Rand des großen Waldgebietes draußen, im Westenwie im Osten, und zum Teil sind sie ja gar keine Städte, sondern alte Märkte, die erstim 19. oder gar im 20. Jahrhundert den Titel Stadt" bekommen haben. Nein, von einermittelalterlichen Stadt kann hier nirgends die Rede sein, aber es gibt ja in diesem Berg-und Waldland auch nur wenige Dörfer. Gewiß, das Gebiet war und ist nicht unbesie-delt. Auch der landesfürstliche Bannwald, den der Wienerwald im großen und ganzendarstellt, war schon im Hochmittelalter, und zwar selbst schon vor der Gründung derWienerwald- Klöster, mit kleinen Rotten und Weilern besiedelt: Gaaden am Weg, Spar-bach rechter Hand davon, auch Sittendorf, und linker Hand, auch heute noch in einerausgesprochenen Waldlichtung gelegen, Siegenfeld. Nicht viel jünger die kleinen Weiler,die nie größer geworden sind: Füllenberg, Preinsfeld, Sulz etwa. Wir kennen sie allegut, weil sie rings um Heiligenkreuz liegen, weil sie jahrhundertelang mit dem Stiftverbunden waren, weil ihre Kirchen, wenn es welche gab, von Heiligenkreuz aus betreutwurden.

Der Name bleibt also besonders im Ohr haften: das älteste der Wienerwald- Klöster,das erste Zisterzienserkloster im Lande. Heiligenkreuz, 1135 von Leopold III., demHeiligen, gegründet. Der wunderliche historische Zufall hat es gewollt, daß anscheinendnoch im gleichen Jahr die Stiftung des zweiten Wienerwald- Klosters bestätigt werdenmußte, die des Benediktinerklosters Mariazell im Wienerwald, meist auf 1136 datiert.Die späteren Babenberger schufen dreiviertel Jahrhunderte hernach dann Lilienfeld,

1202.

Das geschah alles, als Wien selbst noch gar nicht besonders groß oder gar mächtigwar. 1030 kommt sein Name zuerst in einer Urkunde vor, aber erst ein Jahrhundertspäter, 1137, wird es als, civitas", als Stadt bezeichnet. 3 Der Babenberger Leopold III.war offenbar mehr mit Klosterneuburg und den Klöstern südlich davon im Wienerwaldvertraut als mit jener Stadt, die eine Generation später schon zum eigentlichen Sitzseines Hauses werden sollte. Aber wir stehen mit dem heiligen Markgrafen eben nochin der Salierzeit, in der Zeit der sächsischen und fränkischen Kaiser, die nicht in Städten

3 Friedrich Winter, Wien. Die Geschichte einer deutschen Großstadt an der Grenze.Bd. I, Wien 1940, S. 18 f.

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