die kleinen Andachtsbilder. Sie galten als besonders segenskräftig. In Mariazell erwarbman die sogenannten„, Schrecksteine", an die man ganz fest glaubte. Das Vertrauen zuden mit dem Gnadenbild versehenen und am Gnadenort geweihten kleinen Schreck-steinen ist noch lange erhalten geblieben. 35
Die Pilger pflegten bei ihren Wallfahrten Lieder, die einem alten, reichen geist-lichen Liedgut entstammten, das in enger Beziehung zum Kirchenlied stand, zu singen.Der Überlieferung nach wurden solche Lieder während der Wanderung und beim Ein-treffen am Gnadenort, dortselbst und beim Abschied vom Vorbeter ausgewählt undangestimmt. Dieser kannte eine große Anzahl der Wallfahrtslieder, die in handgeschrie-benen Gebet- und Liederbüchern festgehalten worden waren, sowie viele, die als Flug-blattliederdrucke bekannt geblieben sind.
Flugblattlieder wurden in Niederösterreich schon in der Reformationszeit ausge-sandt, doch erhalten blieben sie aus der Zeit der Gegenreformation, dem Barock- undRokokozeitalter, wie aus dem Biedermeier. Noch in der zweiten Hälfte des 19. Jahr-hunderts lebten sie fort, und einige wenige werden für Lokalwallfahrten auch in derGegenwart noch gedruckt.
Flugblattlieder und andere Flugblattdrucke wie Gebete, wurden von den Druckernder Landesstädte auf Bestellung der Wallfahrtspriester und der Bruderschaften her-gestellt. In ihren Kreisen sind auch die Verfasser der neuen Liedtexte und Gebete zusuchen. Die für die Mariazeller Wallfahrt bestimmten Lieder wurden schon im Barockin größeren Orten gedruckt, später in allen Teilen des Landes Niederösterreich, weil dieWallfahrer aus allen Teilen des Landes nach Mariazell pilgerten. Eine besondere Bevor-zugung erhielten Wiener- Neustadt und Wien, da diese Drucker die Möglichkeit hatten,den Wallfahrerweg von Wien, aus dem Burgenland, aus Ungarn und Kroatien zubetreuen. Bekannte Druckerorte waren auch Krems, Retz, und auch im Waldviertelwurden Flugblattlieder hergestellt. In St. Pölten wurden nicht nur noch im 19. Jahr-hundert, sondern werden auch heute noch solche gedruckt. 36
Von großer Bedeutung für die Via sacra wurde das 1723 in Wien bei F. C. Wilhelmerschienene dreiteilige Andachtsbuch mit dem Titel:„, Heilige Wallfahrts- Andacht beste-hend in außerlesenen Gesängen, Gebettern und Littaneyen und H. Rosenkränzen vonWien nach Mariazell." Dieses bringt Lieder und Gebete zu allen auf der Pilgerstraßeliegenden Gnadenorten. Die Wallfahrt begann in Wien bei der Paulanerkirche mit einemGesang zu dem ,, Heil. Schutz- Engel". In Brunn am Gebirge galt die Andacht dem Orts-patron St. Heinrich. In Enzersdorf betete und sang man zum hl. Franziskus. In Liechten-stein sang man bei der Gruppe des ,, Abschieds Jesu von Maria" zur hl. Maria. InGaaden wurde der Ortspatron St. Jakob besungen. Der nächste Gesang wurde derKreuz- Christi- Reliquie in Heiligenkreuz dargebracht. In Alland wurde der OrtspatronSt. Georg begrüßt. In Altenmarkt galt die Verehrung dem Kirchenpatron St. Johannesdem Täufer( Hafnerberg wurde erst 1726 erbaut). In Kaumberg wurde dem ErzengelMichael ein Gesang gewidmet. St. Andreas wurde in Hainfeld besungen und in St. Veitan der Gölsen der hl. Veit. In Lilienfeld sang man zur lieben Frau, und in der Pfarr-kirche wurde ein Lied zu der hl. Maria Magdalena, am Kalvarienberg eines zu Christusin der Passion gesungen. In Türnitz gilt das Wallfahrerlied dem hl. Martin, in Anna-berg der hl. Anna, dem hl. Joachim auf dem Joachimsberg, dem hl. Josef auf demJosefsberg und dem hl. Sebastian auf dem Sebastiansberg. Die weiteren Lieder dieser,, Wienerischen Zeller- Reyß" dienen der Vorbereitung auf Mariazell. Der II. Teil desAndachtsbuches umfaßt Lieder für die Verehrung in Mariazell selbst. Der III. Teil ist
35 Ebda., S. 106.
36 Derselbe, Volksgesang und Volkslied, Proben und Probleme. Berlin 1970, S. 425 ff.Derselbe, Volkskunde von Niederösterreich( vgl. Anm. 33). S. 454–457.
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