führte, und damit zur wichtigsten Wallfahrtsstraße unseres Landes wurde. An demGründungsort soll einst schon ein Marienbild verehrt worden sein. 8 Kaiser Leopold I.sagte von ihm, hier wäre der rechte Ort, um Gott zu dienen. ⁹
Von solchen Landklöstern wie Mariazell, die am Rande der großen Wälder inunkultiviertem Land errichtet wurden, gingen starke Impulse für die Rodung und Kolo-nisation aus: Sie waren für die gesamte Entwicklung ihrer Umgebung von großer Bedeu-tung, denn von diesen Zentren nahmen der landwirtschaftliche Fortschritt, das Schul-wesen, 10 die Kunstpflege und das soziale Wirken seinen Ausgang. 11( Abb. 1)
1145 verlieh der zuständige Bischof Konrad von Passau, ein Sohn Markgraf Leo-polds III., dem Stift die Zehenten in einem Gebiet, das im Süden bis ,, Pechstich", imOsten bis Thenneberg und bis zur Grenze Pottensteins reichte. 12 Damit war wohl fürdie erste Zeit auch die materielle Sicherung gegeben. 1256 hatte das Kloster schon fünfPfarren, Mariazell selbst, Inzersdorf ob der Traisen, Langau, Kaumberg und Nöstach. 181299 wurde das Dorf Sooß( Saze) angekauft. 14
Die Geschichte des Benediktinerklosters Mariazell in Österreich gestaltete sichäußerst wechselvoll. 1250 brachen am Jakobstag die Kumanen in das Waldgebiet ein,1252 richteten Einheiten des ungarischen Königs Bela IV., als er bis Tulln zog, an deneben wieder aufgebauten Gebäuden Schaden an. 1464 kam es zu einer Plünderung desKlosters durch die„ Ungarischen Brüder". Die Türken suchten 1529 das Kloster heimund zerstörten 1532 die kaum erst etwas wiederaufgebauten Gebäude. Die Ruine diente70 Jahre lang als Binderwerkstätte. Das war für das Kloster eine harte Zeit, und wäh-rend früher zahlreiche Schenkungen dessen Besitz vergrößerten, reihte sich nun mehr einVerkauf von Klostergut an den anderen. 15
Schreckliche Verwüstung brachte 1603 ein großer Brand, der im Kloster, in derPfarrkirche und im Meierhof wütete. Sechs Jahre später waren allerdings die Gebäudewiederhergestellt. 16 Zur Zeit der zweiten Türkenbelagerung Wiens wurde das Klosterdurch die türkische Invasion abermals schwer heimgesucht. 17
7 L. Schmidt, Volkskunde von Niederösterreich. Bd. I, Horn 1966, S. 267.
8 F. Oswald, Erneuertes Mariazell im Wienerwald( Kulturberichte. Monatsschrift f.Wissenschaft u. Kultur, hg. v. Land Niederösterreich, November 1972, S. 2); N. Muss-bacher, Abt von Lilienfeld berichtet von einer Sage, daß schon vor dem Entstehen vonMariazell in der Steiermark ein Marienbild verehrt wurde, das dann auch bestimmend für diePlatzwahl des Klosters war:„ Die heilige Straße" in Fortsetzungen. In: Waldmark Lilienfeld,heimatkundliche Beiträge zum Amtsblatt der Bezirkshauptmannschaft, Nr. 3, 1971, S. 1 ff.;E. K. Winter, Die Heilige Straße, der Pilgerweg von Wien nach Mariazell. Wien 1926, S. 61.G. Gugitz, Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch, Bd. II, Wien 1955, S. 65.10 Im Stift bestand eine Klosterschule zur Heranbildung der Sängerknaben. An der Spitzederselben stand der„, Schulmeyster"( eigentlich der Organist und Instruktor der Sängerknaben).Im Inventar des Klosters vom Jahre 1584 wird ein„ Schulmaister- Carner" und ein„ Knaben-Carner" angeführt. In den pfarrlichen Protokollen der weiteren Jahrzehnte werden Schulmeistergenannt. Eine öffentliche Schule wurde erst nach der Aufhebung des Klosters gegründet undverblieb in den Gebäuden des Klosters bis 1899. Vgl. R. Roßrucker, Kleinmariazell( vgl.Anm. 3), Heimatkunde des Bezirkes Baden. S. 325.
11 K. Gutkas( vgl. Anm. 5), S. 53; K. Giannoni, Bildende Kunst in Niederdonau,1. Teil Romanik(= Niederdonau, Heft Nr. 39, St. Pölten 1941, S. 20, 21).12 Vgl. Anm. 3. S. 76.
13 Pfarrkirche, Kirchenruine, dem hl. Martin geweiht, 1256 urkundliche Erwähnung, vgl.Dehio- Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs, Niederösterreich. Wien- München 1962,S. 232. Die Filialkirche Nöstach, auch Burgkirche genannt, ist dem hl. Pankraz geweiht, warschon 1419 als Wallfahrtskirche bekannt, vgl. G. Gugitz( vgl. Anm. 9), S. 136.
14 Vgl. Anm. 10. S. 322.
15 Um die zerstörten Gebäude aufführen zu können, mußte Abt Johann 1530 das DorfLangau samt dem Patronat über die dortige Pfarrkirche verkaufen; vgl. Anm. 14, S. 325.
18 Dehio- Handbuch( vgl. Anm. 13), S. 147.
17 Vgl. Anm. 9.
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