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( ähnlich unserer Schleierlegende), Auffindungen von Marienbildern in, an oderunter Bäumen u. dergl. Während in gotischer Zeit Bilder verwandter Anord-nung noch zu fehlen scheinen', werden sie vom 17. Jahrhundert ab immerhäufiger. Ich erinnere nur an Darstellungen des Gnadenbildes von Maria Taferl,die, der Gründungssage entsprechend, das Vesperbild in der ausgehackten Nischeeiner Eiche zeigen. Von hier bis zur künstlerischen Bewältigung dieses volks-tümlichen Motives ist es natürlich nur noch ein Schritt, seine Übertragung aufdie Darstellung ähnlicher Legenden selbstverständlich.
Von diesen malerischen Darstellungen bis zu unserer Plastik ist es aller-dings noch ein weiter Weg und auch sonst wird sich die Eigenart diesesBildstockes nicht ganz von diesen Bildern ableiten lassen. In diese Lücke scheintnun ein Bindeglied besonderer Art, nämlich ein eng verwandter Monstranzen-typus, einzuspringen. Das Stift Klosterneuburg besitzt eine wertvolle Monstranzeaus vergoldetem Silber und mit Perlen- und Edelsteinbesatz, die in ganz ähn-licher Weise wie unser Bildstock die Schleierlegende darstellt( Tafel XXV) ². NachCernik ist die Monstranze von dem Bildhauer Matthias Steinl( 1644-1727) ent-worfen, vom Kammergoldschmied Johann Känischbauer in Wien 1710-1714zur Feier des 600jährigen Bestandes für das Stift verfertigt worden. Sie dürftealso ungefähr gleichzeitig mit unserem Bildstock sein. Die Darstellung weistviele Ähnlichkeiten auf; was abweicht, ist zumeist auf Rechnung des eucha-ristischen Zweckes zu setzen, dem das Prunkstück dient. So die Strahlengloriole,die Hinzugabe der beiden anderen göttlichen Personen und vor allem natürlichder Umstand, daß hier statt der Bildnische die Kapsel mit der Lunula dominiert.Noch näher unserem Bildstocke steht, wenn man vom Gegenstand absieht, inder Auffassung und im Aufbau die Kolomansmonstranze des Stiftes Melk( TafelXXVI) ³. Hier ist, nach den Ausführungen Tietzes, wie bei dem Bildstocke,der Boden naturalistisch gestaltet und mit Pilgerhut, Mantel und Stab, Krone,Horn und Szepter belegt.„ Aus dem Hügel steigt der Stiel in Form zweierverschränkter knotiger Baumstämme auf und verbreitert sich oben zu einemdie mit bunten Steinen besetzte Kartuschenumrahmung der Lunula einfassen-den Astgeflechte mit Blättern und Silberblüten.“ Unter der Kartusche, die in derGrundanlage Verwandtschaft mit der Bildnische des Bildstockes aufweist, wennsie auch viel reicher umrahmt ist, sind Marterwerkzeuge angebracht. Die Mon-stranze trägt ein Wiener Beschauzeichen von 1752 und die Meistermarke J. M.( J. Mack oder J. Moser).
Diese beiden Vorkommnisse stellen es wohl außer Zweifel, daß wir es beidem Bildstock von Burgschleinitz auch mit einer Beeinflussung durch denMonstranzentypus zu tun haben, ist doch der Aufbau des Bildstockes eigentlich
1 Ich führe als Beispiel die Darstellung der Schleierlegende von Rueland Fruehauf im Stiftsmuseum zu Kloster-neuburg an, wo die Muttergottes fern in der Luft schwebt. Abbildung s. bei R. v. Kralik, Der hl. Leopold, 1904,S. 69. Auch der Kupferstich von J. M. Lerch in Scharrer, Österreichische Marg- Graffen, 1670, S. 68( abgebildetbei R. v. Kralik 1. c. S. 107) befolgt noch das gleiche Schema. Im übrigen zeigt gerade dieses Bild viel ikono-graphische Verwandtschaft mit unserem Bildstock: der Herzog kniet rechts von dem Holunderbaum, ein Hundspringt links den Stamm hinan, andere Hunde im Vordergrund.
Abgebildet bei R. v. Kralik, 1. c. S. 91 und bei Berthold Černik, Das Stift Klosterneuburg, 1914, S. 47. DerGüte des letzteren verdanke ich auch das hier gebotene Bild.
3 Abgebildet bei H. Tietze, Die Denkmale des politischen Bezirkes Melk( Öst. Kunsttopographie III), 1909,
Tafel XXVI.