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2 (1914) Werke der Volkskunst : mit besonderer Berücksichtigung Österreichs. 2.
Entstehung
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Über die Geschichte der Grödener Schnitzerei ist schon des öfterenunter Beiziehung des einschlägigen archivalischen Materials gehandelt worden;es sei hier besonders auf die Angaben von Franz Moroder verwiesen, dieeine Menge von Schnitzernamen und ausführliche Daten über die Erzeugung,Vertrieb der Arbeiten, Verkehr der Grödener in aller Herren Länder enthält,ähnlich wie die archivalisch noch vervollständigte, in manchen Behauptungenaber weniger verläßliche Schrift von W. Moroder- Lusenberg. Aus ihnenund den von W. Exner angeregten Publikationen über die HausindustrienÖsterreichs rekapitulieren wir kurz zunächst die wichtigsten historischen undstatistischen Daten ¹.

An den Anfängen der Grödener Schnitzerei künstlerischen Charakters stehenein paar begabte Bildhauerfamilien, welche im 17. Jahrhundert hier ansässigwaren oder sich ansässig machten. Der älteste urkundlich nachweisbare Bild-hauer Grödens ist ein gewisser Christian Trebinger, der als sculptor" 1643( oder 1634) zum erstenmal genannt wird. Auch seine Brüder verlegten sichauf die Holzbildhauerei. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts tritt diebesonders kunstbegabte Familie Vinazzer auf, in ihrer Ausbildung zweifellosvon Brixener Bildhauern geleitet. Zu besonderer Bedeutung erwuchsen ausihr die Brüder Dominik und Martin Vinazzer. Dem ersteren sind die Bischofs-statuen am Hochaltare der St. Antonikirche in Gröden aus dem Jahre 1682zuzuschreiben, ein noch größeres Werk ist der Hochaltar der St. Jakobs-kirche bei St. Ulrich, den er zusammen mit seinem Bruder Balthasar schuf,von letzterem stammen eine ganze Anzahl kleinerer signierter und darum auchfür uns belangreicher Holzplastiken. Außer ihnen waren um 1700 schon eineganze Reihe von Meistern im gleichen Sinne tätig, doch ging die Zahl derSchnitzer im Tale bis um die Mitte des 18. Jahrhunderts nicht über 40 oder 50hinaus. Erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts tritt ein ganz gewaltigerAufschwung ein, hauptsächlich wohl bedingt durch die Aufnahme der Erzeugungmassenhafter kleiner Schnitzwerke, Heiligen- und Genrefigürchen, ferner von Spiel-zeug nach Berchtesgadener Art, welche die Grödener zunächst im Hausierwegeselbst verschleißten( Fig. 2). Doch mögen hiebei auch Kaufleute aus dem Ammer-gau und Berchtesgaden beteiligt gewesen sein, um so mehr als man die Be-malung der Spielwaren zunächst überhaupt in Ammergau besorgen ließ; erstEnde des 18. Jahrhunderts ergriff ein gewisser Franz Runggaldier( 1844) inGröden selbst dieses Gewerbe. Große Figuren und Altäre übersandte man im

1 W. Exner: Die Hausindustrien Österreichs, Wien 1890, S. 67 ff, Lauböck, Prof. G.: Die holzverarbei-tende Hausindustrie Österreichs, Wien 1900, F. Moroder: Das Grödener Tal, St. Ulrich 1891, W. Moroder-Lusenberg: Markt St. Ulrich im Grödenertale, Innsbruck 1908.

An älteren Werken sind vor allem wertvoll: Josef Rohrer: Ueber die Tiroler, Wien 1796. Der Sammlerfür Geschichte und Statistik von Tirol, Bd. II, Innsbruck 1807.

Aufrichtigen und herzlichen Dank schuldet der Verfasser Herrn Dr. K. v. Radinger für seine werktätigeBeihilfe beim Studium der Quellen und der im Museum für Tiroler Volkskunst befindlichen Grödener Objekte sowieder Ermöglichung der Publikation derselben. Ebenso sei Herrn Hofrat J. Lauböck für leihweise Überlassungeiner großen Sammlung von Grödener Holzschnitzwerken, im Besitze des k. k. Technologischen Gewerbemuseums,zu Zwecken des Studiums und der Publikation an das k. k. Museum für österreichische Volkskunst der verbind-lichste Dank abgestattet, nicht minder Herrn Staatsarchiv direktor A. Mayr in Innsbruck, der dem Museum inliebenswürdigster Weise eine Abschrift eines Grödener Gerichtsaktes zu Studienzwecken zukommen ließ, fernerdem Bozener Museum für die Gewährung der Publikation einiger Aufnahmen, nicht zuletzt Herrn Jos. Moroder-Lusenberg für die Überlassung des Grundstockes unserer Sammlungen und so manche mündliche Belehrung.2 F. Moroder a. a. O. S. 59, 147.-W. Moroder a. a. O. S. 38.