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2 (1914) Werke der Volkskunst : mit besonderer Berücksichtigung Österreichs. 2.
Entstehung
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hat man durch hausindustrielle Verarbeitung des Holzes in der langen Winters-zeit, während welcher die landwirtschaftlichen Arbeiten ruhen, den ohnehinkärglichen Ertrag derselben zu ergänzen und aufzubessern gesucht, so in Kärn-ten im Rosental, in der Viechtau bei Gmunden, im Berchtesgadener Ländchen,im Schwarzwald, Böhmerwald, Erzgebirge und einzelnen Karpatengebieten.Anfänglich wurden wohl überall nur landwirtschaftliche und Haus- Geräte her-gestellt; speziell in Gröden ist schon für das 16. und 17. Jahrhundert die Her-stellung gedrehter

Holzschüsseln, das,, Schüsseldrah-nen" nachweisbar.Im 17. Jahrhundertwar diese Hausin-dustrie schon soum-fangreich, daß 1672sogar mit einerVerordnung gegendie Schädigung derWälder von Seiteder ,, ehrsamenSchüsseldrahner imTal Gröden" einge-schritten wurde¹.

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Die Anregung,sich auf Spielwaren-erzeugung zu verle-gen, welch letzterenamentlich auch im Schwarzwald und im Erzgebirge, zum Teil auch in denKarpaten und auch in Großrußland( Gouvernement Moskau und Archangelsk)aufgegriffen wurde, scheint ursprünglich von Berchtesgaden ausgegangen zusein, wenigstens ist hier diese Industrie urkundlich so früh nachgewiesen wiekaum anderswo. Ein Preisverzeichnis der Berchtesgadener Schnitzwerke vomJahre 1655 enthält schon sämtliche Artikel, Vögel, Tiere auf Rädern, Männchenund Gliederpuppen, welche nachmals auch in anderen Betrieben begegnen.

Fig. 3. Grödener Spitzenverkäuferin, Mitte des 19. Jahrhunderts.

Das sogenannte Nürnberger Spielzeug stammt denn auch zum größten Teilaus Berchtesgaden und dem Ammergau 2, wo man sich übrigens auch mit derHerstellung von Figuren zweifelhaften und religiösen Charakters befaßte. Nirgendsaber ist die Figurenschnitzerei in so hoher Vollendung geübt worden wie ge-rade in Gröden. Es hängt dies wohl damit zusammen, daß Gröden, abgesehenvon seiner Schüsselindustrie, schon im 17. Jahrhundert ein Zentrum religiöserBildhauerei gewesen ist, aus der sich gleichsam als ein Ableger unter Bei-behaltung der künstlerischen Tendenzen die kleinfigürliche Plastik entwickelte,mit der wir uns hier hauptsächlich befassen wollen.

1 W. Moroder- Lusenberg: Markt St. Ulrich in Gröden. Innsbruck, 1908. S. 47.

2 Vergl. Dr. A. Hartmann: Zur Geschichte der Berchtesgadener Schnitzerei in Volkskunst und Volkskunde.Bd. I. München 1903. S. 61 ff.