Heft 
52 (2017) 5
Seite
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Lieblingsobjekt

Ein Waffeleisen, ÖMV/ 768,datiert 1556

Waffeleisen gehen auf die Hostienher-stellung in den Klöstern zurück. DieseKlemmeisen hatten einen Durchmesservon wenigen Zentimetern und zeigtenreligiöse Verzierungen wie das MonogrammChristi oder ein Kruzifix.

Für den privaten Gebrauch wurdenvon Schmieden größere Eisen herge-stellt. Ihre Verzierungen waren meist sehreinfach gehalten. Ab dem 15. Jahrhundertweisen die Platten figürliche Darstellun-gen auf. Beliebte Gravierungen waren derHI. Georg mit Drachen oder symbolischeTiere, darunter auch das Einhorn. Umrahmtwurden diese Figuren häufig vom Namendes Besitzers und seiner als Hausfrau"bezeichneten Ehefrau mit deren Mädchen-namen. Diese persönliche Ausgestaltungweist darauf hin, dass Waffeleisen oftmalszur Aussteuer gehörten oder ein Hochzeits-geschenk waren.

Zu Familienfesten und an Feiertagenwurden Waffeln über dem offenen Feuerhergestellt. Sie waren dünn und knusprig.Im Süden Deutschlands war es üblich,sie zu Stanitzeln zu rollen. Als Neujahrsku-chen wurde das Gebäck an die Glückwün-schenden verteilt.

Der Kampf zwischen Karneval undFasten von Pieter Bruegel dem Älteren um1559 geschaffen, zeigt eine Waffelbäckerinim Freien, eine Schüssel mit Teig neben sichund das rechteckige Waffeleisen über dasFeuer haltend.

Nach Erhitzen des Eisens wurde esbefettet und mit Teig gefüllt. Über demFeuer wendete die Bäckerin das Backgerätmehrmals bis die Waffel goldbraun warund aus dem Eisen gestürzt werden konnte.

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52. Jahrgang

Das mit 1556 datierte Waffeleisendes Volkskundemuseums Wien kam 1896bereits beschädigt, ein Griff ist abge-brochen, in die Metallsammlung. Es zeigtauf einer Platte einen Doppeladler mitBindenschildwappen an der Brust und derUmschrift ,, IER LIEWEN GOSD NEWPDVER GVED HENDW 1556 o+", auf deranderen Platte ist ein getupftes Einhornzu sehen, von Streu- und Wellenrankenumgeben.

Griechen und Römer berichtetenbereits über das Einhorn. Sein Horn galtals wirksames Gegengift und Heilmittelfür verschiedenste Krankheiten, fandseinen Einsatz aber auch im Liebeszauber.Verwendet wurde für diese Rezepte derZahn des Narwals. Bis heute führen einigeApotheken das Einhorn in ihrem Namen.

Die symbolische Aufladung desFabeltieres changierte zwischen gut undböse. Es symbolisierte Keuschheit ebensowie Wollust, in diesem Zusammenhangtritt das Horn als Aphrodisiakum in Erschei-nung. Diese Zweideutigkeit war nichtungewöhnlich, sie zeigte sich auch in derSprache: Das Lateinische sacer bedeutetsowohl heilig als auch verrucht.

Farblich wechselte das Einhorn imLaufe der Zeit von weiß über gelb undbraun um wieder weiß zu werden. In denSpielzeugabteilungen findet es sich heuteauch in rosa oder lila- in jedem Fall inzarten Pastelltönen. Seine Faszination istoffenbar ungebrochen.

Auch Waffeln erfahren ein Revival.Das flaumige dicke Gebäck hat allerdingswenig Ähnlichkeit mit den Oblaten ausfrüheren Zeiten. Offenes Feuer ist fürdie Herstellung auch nicht mehr notwendig.Vom Mittelalter bis in das 19. Jahr-hundert standen Waffeleisen in Verwen-dung. Manche Kochbücher wiesen noch