30 LIEBLINGSOBJEKT
Ein ,, Glücksfall in der
Fotografie- Geschichte"-entdeckt nach 127 Jahren
Vergeblich suchten wir bis vor kurzem dieFotografin Marianne Strobl( 1865-1917) imschriftlichen Niederschlag unseres Museums- obwohl sich ihr erstes großes Werk seit1895 im Volkskundemuseum Wien befindet.Ihr Name schien nicht auf, als 1895ihre 101 großformatigen Albumfotogra-fien von„ Typen der Landesfuhrwerke derÖsterr.- Ungar. Monarchie aus der Interna-tionalen Ausstellung[ für Volksernährung,
Armeeverpflegung, Rettungswesen undVerkehrsmittel], Wien- Rotunde 1894" in dasPositiv- Inventarbuch des Hauses aufge-nommen wurden( pos/ 108). Ebenso wenigin den Neuerwerbungen des Jahres 1895( Z.f.Ö.V. 1), in denen„ Sr. Durchlaucht demFürsten Alfred Wrede, sowie den Herren
BIBLIOTHEK
Nr. w: 241
Handexemplar
NICHT ENTLEHNBAR
Typen
der Landesfuhrwerke
Österr.- Ungar. MonarchieInternationalen Ausstellung
Volksernährung, Armeeverplegung, Rettungswesen und VerkehrsmittelWien- Rotunde 1894
unter dem hohen Protectorate Sr.k.n.k. Hoheit des durchlauchtigsten
Herrn Erzherzog
Franz Ferdinand von Oesterreich- Este
Verein zur Verbreitung landwirthschaftlicher Kenntnissein Wien.
Das Mappenwerk vor der Restaurierung( pos/ 108)
Dr[...] aus der Leitung des„ Vereins zurVerbreitung landwirthschaftlicher Kennt-nisse" wärmst[ ens]" gedankt wird für das" prachtvolle Photographie- Album". Wederauf dem Einband des aufwändig lithografier-ten Schmuckkartons in goldgeprägter Kas-sette noch im dazugehörenden 53- seitigenKatalog wird Marianne Strobl genannt. Undtraurigerweise ist selbst 100 Jahre später,als 1993 die Dauerausstellung des Museumsneu konzipiert und Teile des Albums alsKopie ausgestellt wurden, auf dem Objekt-label nichts von der Fotografin zu lesen.
Erst als 2020-2022 während der groß-angelegten Erschließung der Fotosammlungverschollene Objekte gesucht wurden, kamdas Werk zum Vorschein und wurde genauerunter die Lupe genommen. Zwar sehrklein und in einem sehr hellen Blau gesetzt,war aber dennoch auf jeder Fototafel zulesen:„ Marianne Strobl, Wien". Wer war sieund warum bekam sie nie eine namentlicheErwähnung?
Marianne Strobl war eine der erstenBerufsfotografinnen und wohl die erstePerson, die als Industriefotografin tätig war.Sie fotografierte um 1900 auf Großbaustel-len und in Industriebetrieben und schuf mitihren Fotografien bemerkenswerte Zeugnissestädtebaulicher Entwicklung. Während siemit schwerem Fotoapparat und Belichtungs-platten z. B. die Errichtung des GaswerksLeopoldau begleitete, konzentrierten sichihre männlichen Kollegen auf ihre Arbeit imAtelier, auf Porträts und sog. Kaufbilder fürTouristen.
Eine Ausbildung als Fotografin blieb ihrverwehrt; Frauen waren an der„ K.K. Lehr-und Versuchsanstalt für Photographie" inWien erst ab 1908 unter Einschränkungenzugelassen. Sie kam über ihren Ehemann,Mitglied des„ Club der Amateur- Pho-tographen in Wien", an die Technik. UmAuftragseinbußen in dem damals männer-