Heft 
59 (2024) 1
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SCHAUFENSTER

Olaf Bockhorn

Nachruf für Olaf Bockhorn

Am 16. Oktober 2023 verstarb Olaf Bock-horn im 82. Lebensjahr. Mit dem in Linzgeborenen und im Zweitwohnsitz in Osttirolbeheimateten Volkskundler geht eine Ära inder Geschichte des Instituts für Volkskundein der Wiener Hanuschgasse zu Ende. Betratman das Institut, an dem ich in den 1970erund 1980er Jahren studiert habe, so war dieTür zum Zimmer von UniversitätsprofessorKároly Gaál generell geschlossen. Im Neben-zimmer saß der ao. UniversitätsprofessorHelmut Paul Fielhauer mit einem erlesenenKreis von höhersemestrigen Studierendenum den Couchtisch und dann gab es nochOlaf. Als wissenschaftliche Hilfskraft hatte eram Institut den Durch- und Überblick. Er warbeliebt, da er aufmerksam und hilfsbereitgegenüber den Anliegen der Studierendenwar. Die Unterlagen von Seminaren, die ichbesucht habe, geben einen Einblick in seinefrühe Forschungs- und Lehrtätigkeit, dienoch der klassischen Volkskunde verbundenwar: bäuerliche Geräte- und Fahrzeugkunde,Ortsmonografien, Minderheiten- und Regio-nalkultur, Jahresbrauch, christliche Bräucheu.a. m. Er beschäftigte sich mit dem volks-

kundlichen Film und seine Exkursionen sindbis heute legendär.

In den 1980er Jahren wurde Bockhornein Anhänger der Volkskunde als Sozialwis-senschaft. Ganz im Sinne des neuen Kultur-begriffs von Helmut Paul Fielhauer forschteund publizierte auch er zur Arbeiter-und Alltagskultur. Olaf Bockhorn arbeitetedie Geschichte der Volkskunde auf undvermittelte Denkanstöße für Museen undSammlungen. Seine Kritik formulierte erschonungslos mit polternder Stimme. Miteiner scharfen und spitzen Feder wies er aufdie Verstrickungen des Faches und auch desVolkskundemuseums in der Zeit des Natio-nalsozialismus hin. Olaf Bockhorn setzte sichunermüdlich und tatkräftig für volkskundlicheInstitute in Salzburg und Wien ein, für denÖsterreichischen Fachverband für Volks-kunde sowie für den Verein für Volkskunde.2010 übernahm er im Vereinsvorstanddie Funktion des Kassier- Stellvertreters, inder ich ihm im Jahre 2022 nachfolgte.

Regelmäßige Beiträge und Rezensionenin der Österreichischen Zeitschrift fürVolkskunde belegen sein enges Verhältniszum Museum in der Laudongasse. Von 1970bis 2003 lehrte und forschte er am Institutfür Volkskunde/ Europäische Ethnologie ander Universität Wien, seit 1997 als außeror-dentlicher Universitätsprofessor. Für seineehemaligen Studentinnen und Studenten,die heute an Universitäten und Museen dasFach in der Öffentlichkeit vertreten, bleibter unvergessen. Dem Verein für Volkskundewird er immer in ehrenvoller Erinnerungbleiben.

Claudia Peschel- Wacha