Interview
56. Jahrgang
,, Diesen Museumszugang, dernicht auf das Perfekte abzielt,sondern ein Probieren ist, findeich erfrischend."
Luise Reitstätter, Kultur- und Museums-wissenschaftlerin, im Gespräch über ihreLiebe und Forschung zu Museen, überDauerausstellungen im Wandel der Zeitund über Paare in Ausstellungen
Du bist Kulturwissenschaftlerin. Wie bistdu auf das Museum als Forschungsgegen-stand gekommen?
In meinem Studium hatte ich zwar nur dreiLehrveranstaltungen aus dem Bereich derMuseumswissenschaften, die haben miraber eindeutig am besten gefallen. So habeich meine Diplomarbeit über Kunstvermitt-lung als kommunikative Praxis geschriebenund dabei nach gelungenen Beispielenin Wien und Madrid gesucht. In meinerDissertation habe ich zu Kunstausstellungengearbeitet. Es ging darum, wie die räumli-che Gestaltung und das Handeln der Besu-cher* innen zusammenspielen. Seit einigenJahren arbeite ich spezifischer mit undüber Museen und deren kulturhistorischeSammlungen. Museum ist mein Herzens-thema und nun auch Gegenstand meinerHabilitation. Da frage ich mich, wie manheute sinnstiftend Museum machen undmit experimentelleren Methoden erfor-schen kann.
Warst du bereits von Kind anMuseumsnutzerin?
Ich bin am Land in Salzburg und Osttirolaufgewachsen. Meine Familie ist zwar sehrbildungsorientiert, wir sind aber nicht oftins Museum gegangen. Ich kann mich nur an
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den Besuch von Theater- und Tanzveran-staltungen, auch Avantgarde, erinnern. AlsStudentin in Wien war meine erste großeFaszination zeitgenössischer Tanz undPerformance, aber ich habe auch viele Aus-stellungen besucht. Mein Praktikum im Aus-stellungsbüro der Secession war für mich einberufliches Erweckungserlebnis, weil hierdie intensive Begleitung von Künstler* innen,die Gestaltung von Raum und auch der Kon-takt mit dem Publikum zusammenkamen.Über verschiedene Stationen im Kulturbe-trieb und an der Universität bin ich demMuseum als Arbeitsfeld und Forschungsge-biet einfach immer nähergekommen.
Das erste Projekt am VolkskundemuseumWien war Stadt- Land- Kind und die darausentstandene Ausstellung RETROPIA.Sprechen über Sehnsuchtsbilder vomLand( 2019). Wie kam es dazu?
Ich habe Matthias Beitl bei der Präsentationmeines Buches Die Ausstellung verhandeln2013 kennengelernt. Später wolltenmeine Kollegin Martina Fineder und ich einProjekt im Museumsbereich entwickelnund haben Matthias angesprochen. Beieinem Treffen hat Herbert Justnik uns dieFotosammlung gezeigt und im Garten lageine Servus- Zeitschrift- so entstand dieIdee, ausgehend vom aktuellen Phänomender Landsehnsucht die historische Foto-sammlung gemeinsam mit Bürger* innen zuuntersuchen.
Du kennst das Volkskundemuseum Wiengut, aktuell bist du mit dem Forschungs-projekt Recht auf Museum? am Haus.Wie blickst du auf die volkskundlicheSammlung des Museums und auf dieDauerausstellung?
,, Was soll mir diese bäuerliche Sammlungsagen?", war eines der Statements nach