Heft 
56 (2021) 4
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Schaufenster

56. Jahrgang

ForschungsprojektRecht auf Museum?

Erkenntnisse für ein Museum,das zuhört

Stimmen von Besucher* innennach einem Rundgang durchdie Schausammlung

Von partizipativen und aktivistischenMuseen war in den letzten Jahren häufigdie Rede. Ein Museum, das zuhört, oderein sogenanntes listening museum"( DavidAnderson) war im Museumsdiskurs bislangweniger präsent. Wie aber wäre es, wenndas Museum als lebendiger Organismusweniger spricht und öfter einmal zuhört?Ein solch empathisches Museum wird imForschungsprojekt Recht auf Museum? derUniversität Wien forciert. Denn auch wennhier im Sinne einer Protestkultur und Aneig-nungspolitik das Bürger* innen- Recht aufdie Nutzung von öffentlichen Kulturgüternund auf kulturelle Teilhabe propagiert wird,lädt das Forschungsprojekt gleichsam seinePartnermuseen ein, sich auf einen Prozessdes Zuhörens und des Ernstnehmens vonBürger* innen- Feedback einzulassen. AlsExpert* innen des Alltags sind es nämlichgenau diese Bürger* innen, die zu fragensind, wenn es die gesellschaftliche Relevanzvon Museen( auch für die lokale Bevölke-rung) zu bestimmen gilt.

Im Mai und Juni 2021 fand in den fünfWiener Museen Belvedere, Haus derGeschichte Österreich, KunsthistorischesMuseum Wien, MAK- Museum für ange-wandte Kunst und Volkskundemuseum Wiendie umfangreiche Feldforschung im Rechtauf Museum?-Projekt statt. Im Rahmeneiner Kommunikationskampagne wurdenBürger* innen nach der Devise ⟫MöchtenSie mit mir ins Museum gehen? Nehmen

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Sie Ihr Recht auf Museum wahr!" in diefünf Museen eingeladen. Während ein fürWien repräsentativer Bürger* innen- Beiratbestehend aus 20 Personen in begleitetenRundgängen die Partnermuseen erkundete,standen in jedem Haus zusätzlich 200 freieEintrittskarten für alle Interessierten zurVerfügung. Nach einem selbstständigenRundgang durch ausgewählte repräsentativeTeile der jeweiligen Dauerausstellung gabendie Teilnehmer* innen dieses sogenanntenBesucher* innen- Panels Feedback zu ihrerWahrnehmung des besuchten Museumsin einem Museumstagebuch in Fragebogen-form.

Zwei zentrale Thesen mit jeweils kon-kretem Bezug auf das VolkskundemuseumWien geben Stimmen von Besucher* innenund ein museales Stimmungsbild wieder.

1. Es gibt eine Liebe zu den Museen,diese ist aber nicht bedingungslos.Ausgehend von grundlegenden Besu-cher* innenrechten von Willkommensein,Orientierung bis Informationsaufbereitung( Judy Rand) wird zum einen deutlich, dassdie Projektteilnehmer* innen den von ihnenbesuchten Museen grundsätzlich sehr posi-tiv gegenüberstehen. Über alle fünf Museenhinweg gaben 81,5% der Personen an,sich im Museum eindeutig willkommen und76,8% sich in vollem Ausmaß wohlzufühlen.73,0% freuten sich, bei ihrem Besuch etwasNeues gelernt zu haben. Zum anderen zeigtsich aber, dass es noch Luft nach oben gibt,was die volle Zustimmung bei der Klarheitder bereitgestellten Informationen( 52,1%),der Orientierung im Museum( 48,1%) sowiedem eigenen Aktivwerden und Dinge selbstAusprobieren( 31,7%) angeht.

Das Volkskundemuseum Wien schnittbei acht von vierzehn Grundrechten besserals der Durchschnitt ab, was beispielsweise