Heft 
56 (2021) 4
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4/2021

Schaufenster

Festival MEMENTO MORILeben, Lieben, Trauern& Sterben

Egal wie unser persönlicher Lebenswegverläuft, egal wo, mit wem oder für was wirleben, egal ob wir arm oder reich sind, altoder jung- wir haben zwei Dinge mit allenMenschen auf diesem Planeten gemein-sam: Wir wurden geboren und wir werdensterben. Der Tod ist die einzige Gewissheit,die wir besitzen. Er ist von Beginn an Teilunseres Lebens, auch wenn wir das gerneverdrängen. Leben und Tod sind untrennbarmiteinander verbunden. Mit jeder Sekunde,in der ich atme und das Leben mich durch-strömt, bewege ich mich zeitlich auf denTod zu. Und mit jedem Lebensjahr wird mirmeine Vergänglichkeit bewusster.

Irgendwann wird jede* r frontal mit demTod konfrontiert. Großeltern oder Elternsterben nach langem Leiden oder versinkenin Demenz. Familienmitglieder, Freund* in-nen, Nachbar* innen und Bekannte sterbenplötzlich und unerwartet. Dann bricht derTod mit Macht in unser Dasein ein und teiltunser Leben in ein Vorher und ein Nachher.Er zeigt uns, wie brüchig unsere Welt ist.

Aber nicht nur der Tod wird tabuisiert.Vielen Menschen fällt es schwer, über ihreTrauer zu sprechen. Und noch mehr Men-schen haben große Probleme, ihr Mitgefühlangesichts eines Trauerfalls zum Ausdruckzu bringen. Sie finden keine Worte undweichen den Trauernden aus. Das schmerztdiejenigen, die einen Verlust erlitten haben.Denn was ist Trauer? Trauer ist die dunkleSeite der Liebe- oder wie ChimamandaNgozi Adichie schreibt: Trauer ist dasGlück, geliebt zu haben." Deshalb sind diemeisten Trauernden froh, wenn man ihnenGelegenheit gibt, über den geliebten Men-schen zu sprechen.

Das interkulturelle Festival MEMENTOMORI bietet über 50 Veranstaltungen zuden Themen Tod und Trauer. Mittels Kunst,Literatur, Musik, Film, Theater und Kabarettmöchte ich die Besucher* innen dazu anre-gen, sich mit dem Tod auseinanderzuset-zen. Sterben, Tod und Trauer waren schonimmer essentielle Themen in der Kunst undes sind unsterbliche Werke daraus hervor-gegangen. Wie stark sich Künstler* innenderzeit wieder damit beschäftigen, zeigtsich allerorts. So stand dieses Jahr sowohlbei den Wiener Festwochen als auch beimZürcher Theater Spektakel ein DanseMacabre" auf dem Programm. Das alle-gorische Motiv des Totentanzes zeigt seitdem 14. Jahrhundert die Macht des Todesvorzugsweise auf Gemälden und Fresken.

Wie wichtig die Auseinandersetzung mitTod und Trauer ist, hat die Corona- Pande-mie noch einmal deutlich gezeigt. Plötzlichwar der Tod allgegenwärtig und auf drama-tische Weise wurde deutlich, wie wichtigunsere Trauerkultur ist. Pandemiebedingtstarben und sterben Menschen in Einsam-keit. Angehörigen blieb es verwehrt, sichvon Familienmitgliedern und Freund* innenzu verabschieden- für Millionen Menschenweltweit eine traumatische Erfahrungund ein Skandal. Das darf sich in dieserForm nicht wiederholen! Deshalb ist esmein Wunsch, Menschen ins Gespräch zubringen. Über den Tod, das Sterben, überVerluste, das Trauern und über das Leben.

Tina Zickler, Festivalleiterin

7. bis 17. Oktober 2021

Festivalzentrale: Volkskundemuseum Wien

www.festival-memento-mori.at

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