Schaufenster
56. Jahrgang
OLKSKUNDE
Zwei Teilnehmerinnen des Bürger* innen- Panels beimAusfüllen des Fragebogens nach ihrem selbstständigenMuseumsrundgang. Foto: Institut für Kunstgeschichte,Karl Pani Recht auf Museum?
wenige Anknüpfungspunkte mit der eigenenLebenswelt, wurden mit der Assoziation zu,, Omas Inneneinrichtung" als teils wenigspannend erlebt. Im Gegenzug wurde beider Intervention Die Küsten Österreichszum Thema Flucht das Museum als aktuellerDiskursort für die Besucher* innen greifbar.Gerade diese auch sehr unterschiedlichaufgenommene Intervention verdeutlicht,dass es sich lohnt, aktuelle politischeDebatten im Museum aufzunehmen, dennwie es eine Teilnehmerin formuliert ,,[ dasMuseum] ist wach. Es lebt."
In diesem Zusammenhang ist ein Blickauf die allgemeine Charakterisierung derMuseen mit drei Eigenschaftswörterninteressant. Die fünf am Projekt beteiligtenMuseen wurden von den Teilnehmer* innenallesamt als„ schön",„ interessant" und,, informativ" beschrieben. Das klassischeBild des Museums als( ästhetische) Bildungs-institution ist demnach in der Charakte-risierung über alle Häuser hinweg nachwie vor dominant. Das Volkskundemuseum
6
Wien wurde im Speziellen als„ traditionell",,, altmodisch" oder gar„ verstaubt" genausowie als„ aktuell",„ spannend und„ kri-tisch charakterisiert. Während die erstesemantische Kette auf die nicht mehr( auchhinsichtlich ästhetischer Erwartungshaltun-gen) als zeitgemäß erachtete Präsentationder Schausammlung referiert, verweist diezweite semantische Kette auf das„ Bemü-hen um neue Wege der Darstellung" mit,, Authentizität" und die von Besucher* innenhonorierten„ transparenten" Restitutions-bemühungen.
Auffallend ist, dass das Volkskundemu-seum Wien als einziges Museum mehrfachmit dem Prädikat„ nett" versehen wurde.Wir betrachten dies als ein Komplimentans kleine Haus mit seinem neu gestaltetenEmpfangsbereich, seinen engagierten Mit-arbeiter* innen wie auch als geschichtlicheReminiszenz, wenn schon im Eingangsbe-reich im Zitat einer historischen Besucherinvom lieben Haus zu lesen ist. Denn auchwenn die Schausammlung in ihrer Präsenta-tionsarbeit Versäumnisse aufweist und aufeine grundlegende Aktualisierung wartet,ist im Volkskundemuseum Wien bereits beieinem Besuch im Erdgeschoß ein ehrli-ches Bemühen um ein zeitgemäßes sowiezuhörendes Museum spürbar- und in denStimmen der Besucher* innen zu lesen.
Luise Reitstätter und Karolin Galter,Projekt Recht auf Museum?
Recht auf Museum? ist ein Projekt des Labors fürempirische Bildwissenschaft am Institut für Kunst-geschichte der Universität Wien in Zusammenarbeitmit den Museen Belvedere, Haus der GeschichteÖsterreich, Kunsthistorisches Museum Wien, MAK-Museum für angewandte Kunst und VolkskundemuseumWien sowie eSeL.at.
Gefördert vom Jubiläumsfonds der ÖsterreichischenNationalbank( Nr. 18432).
www.rechtaufmuseum.com