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PERSONALIA

Im Gespräch mit Hasan Mohammad

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Volkskundemuseum Wien

Hasan Mohammad ist seit 23. August 2016 alsVolontär im Volkskundemuseum Wien tätig. Erbetreut jeweils zwei Stunden an bestimmtenNachmittagen den Garten sowie den Innen-hof des Palais Schönborn. Sein besonderesAugenmerk gilt dem Kräutergarten, der fürKulturvermittlungsprogramme genützt wird.Mit seiner Arbeit unterstützt Hasan Moham-

mad den Gärtner des Volkskundemuse-

ums Alexander Weiser. Am 4. Oktober 2016sprach er mit Katharina Richter- Kovarik überseine Flucht aus Aleppo, seine Berufe undAusbildungen sowie sein Leben in Österreich.

HM: Heute regnet es, und ich kann nicht imGarten arbeiten.

KR- K: Also haben wir Zeit, um zu sprechen.

HM: Ja, das ist gut für mein Deutsch. Ich mussDeutsch üben.

KR- K: Kommen Sie gerade vom Deutschkurswie im Sommer?

HM: Nein, ich komme von der Arbeit.

KR- K: Ja, das ist ja fantastisch! Was arbeiten Sie?HM: Ich mache Schuhe. Aber nicht komplette.Es gibt drei Schritte: Oberteil ausschneiden,nähen und mit Sohle verbinden. Ich mache nurSchritt 1 und Schritt 2. Das ist eine Arbeit überdie Jobbörse vom AMS: vier Tage die Wochevon 8.00 bis 12.00 Uhr.

KR- K: Sie haben ja auch früher als Schuhmachergearbeitet.

HM: Ja, in der Türkei. In Aleppo hat bei unszu Hause eine Bombe eingeschlagen. Gott seiDank war niemand tot. Wir mussten weg. Dannwaren wir in Izmir ein Jahr lang und 10 Monate.Dann sind immer mehr Menschen gekommenund ich habe meine Arbeit verloren. Wir hattennicht genug zum Leben. Meine Frau war krank.So habe ich beschlossen, nach Europa zu gehen.KR- K: Wie lange waren Sie da unterwegs?

HM: Ungefähr 20 Tage. Zuerst kam ich nachGriechenland, dann nach Albanien, nach Monte-negro und nach Serbien. Viel zu Fuß. Von Serbi-en im Lastwagen nach Österreich.KR- K: Wann sind Sie angekommen?

HM: Im Dezember 2014. Ich war zwei Tage langin Wien, dann viele Monate lang in Kärnten ineiner Pension. Die war direkt an der Grenzezu Slowenien. Es tut mir leid, dort war es nichtgut. Wir waren da 50 Männer aus Syrien, Afgha-nistan, Irak. Wir waren immer im Haus, hattenkeinen Kontakt mit österreichischen Menschen.Einmal in der Woche ist eine Frau gekommenund hat mit uns ein bisschen Deutsch gelernt.Aber das meiste habe ich von Youtube und

November Dezember 2016

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