SCHAUFENSTER
Liebe Freundinnen und Freunde desVolkskundemuseums Wien,
mit der Fertigstellung der letzten Ausgabe verab-schiedete sich unsere Kollegin Barbara Lipp indie Karenz. In Vertretung widme ich mich nunder redaktionellen Betreuung der NachrichtenVolkskunde in Österreich und freue mich darauf,Sie weiterhin über unser vielfältiges Ausstel-lungs- und Veranstaltungsangebot zu informie-ren. Bitte senden Sie Fragen, Rückmeldungenund Hinweise auf Veranstaltungen zukünftig an
raffaela.sulzner@volkskundemuseum.at.
Das Jahr 2017 bringt ein Jubiläum – 100 JahreÖsterreichisches Museum für Volkskunde/Volkskundemuseum Wien im GartenpalaisSchönborn. Eine kleine Vorschau liefern wirbereits mit dieser Ausgabe.
Bis dahin wünschen wir schöne( Weihnachts-)Feiertage und freuen uns auf Ihren Besuch auchim nächsten Jahr.
Raffaela Sulzner
Provenienzforschung im Volkskundemuseum
Entscheidung des Kunstrückgabebeirats zurSammlung Mautner
Am 5. Oktober 2016 entschied der Kunstrück-gabebeirat auf Rückgabe von jenen Teilen derSammlung von Anna( 1879-1961) und Konrad( 1880-1924) Mautner, die das Volkskunde-museum 1938 und 1939 von Anna Mautnererworben hat.
Die Familie Mautner
Die
Groẞindustriellenfamilie
Mautner,
die
sowohl in Wien als auch in der steirischenGemeinde Grundlsee im Ausseerland einenFamilienwohnsitz hatte, war seit der Grün-dung des ÖMV im Jahr 1895 viele Jahre langdurch Objekt- und Geldspenden eng mit demHaus verbunden. Dies gilt insbesondere für denbedeutenden Volkskunde- und Volksmusikfor-scher Konrad Mautner. Anna Mautner unter-stützte die volkskundlichen Forschungen ihresMannes in vielfältiger Weise und erstellte nachseinem Tod gemeinsam mit dem Volkskund-
bis heute rezipierte zweibändige„ SteirischeTrachtenbuch".
Nach dem Konkurs der Mautner'schen Textilfa-briken im Jahr 1930 gründete Anna Mautnerim steirischen Grundlsee die Firma„ MautnerHanddrucke" und sicherte mit der Produktionvon Trachtenstoffen den Lebensunterhalt fürsich und ihre vier Kinder.
Nach dem ,, Anschluss" Österreichs anNS- Deutschland im März 1938 galt Anna Maut-ner gemäß der nationalsozialistischen„ Nürn-berger Gesetze" als Jüdin und war mit denumfassenden und systematischen Verfolgungs-maßnahmen des NS- Regimes konfrontiert. Siekonnte auf ihre Bankkonten nicht mehr zugreifenund war gezwungen, diskriminierende Steuernzu zahlen. Ihre Firma und ihr Haus in Grundlseewurden ihr entzogen, weiters große Teile ihrervolkskundlichen Sammlungen, die sie sowohlin Wien als auch in der Steiermark aufbewahrthatte. Trotz der prekären finanziellen Situation
ler Viktor Geramb in jahrelanger Arbeit das gelang der damals sechzigjährigen Anna Maut-
ner im März 1939, wie auch ihren vier Kindern,
148
51. Jahrgang