Heft 
H. 9+10
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LIEBLINGSOBJEKT

Die ,, Trestererkrone"

Volkskundemuseum Wien

Diese elegante Federkrone im Volkskundemu-seum Wien zieht mich besonders an. Sie ruftAssoziationen hervor und besticht durch ihreVerarbeitung. Kopfbedeckungen waren stetsein Signal und eine Charakteristik ihrer Träger.Wer dieses Gebilde trägt, ist etwas Besonde-res ein Tresterer.

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Die Trestererkrone ist keine Kappe, denn sieist über einen Strohhut- Stumpen gearbei-tet. Nur bei den Unkener Tresterern ist es einsichtbares Geinzel, ein Rundhütchen. Die Tres-tererkrone enthält eine Fülle alter und neuer,künstlicher und natürlicher Materialien. Esfinden sich Seidenblumen, Wachsperlen undGoldflitter darauf wie auf den Braut- undPrimizkronen oder den Hüten angeworbenerSoldaten. Auch Reste von Borten, Moosen undBlüten sind dabei. Mehr als 20 Baumwoll- und

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Seidenbänder hängen vom Hinterkopf herab( hier schon sehr brüchig). Über allem erhebtsich die Krone aus 60 hohen, weißen Hahnen-federn. Die Verarbeitung ist der perfekteUmgang mit Material und Zeit. An sichtbarenStellen kunstvoll gestickt, an unsichtbaren aufdas Notwendige beschränkt. Geradezu modernim Upcycling" und der Rationalisierung. DerMaterialmix wie der Zahn der Zeit" geben ihreinen Charme, der neuen Kappen" fehlt. Auchdie martialischen Federkronen auf den Fotosum 1900 wirken anders.

Wie alt die Trestererkrone ist? Sie wurde 1894in Oberkrimml/ Pinzgau samt Kostümen für dasNaturhistorische Hofmuseum in Wien gekauft.Neben den außereuropäischen Wilden" soll-ten Bräuche der Älpler" dokumentiert werden.Darin suchte man Relikte alter MythenVerbesserung der Gegenwart.

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zur

Der Verkäufer war Rupert Wechselberger, einArbeitsmigrant aus Prettau im Ahrntal( heuteSüdtirol/ Italien). Er hatte die Volksschauspieltra-dition seiner Familie einige Jahre zuvor nachKrimml gebracht und tanzte für den Muse-umsbeamten Wilhelm Hein den Tresterertanz.Wechselbergers Spielmasken wurden in Krimmlnach Tiroler Vorbild geschnitzt. Ist auch dieTrestererkrone erst in Krimml gefertigt worden?Oder hat er sie aus Südtirol mitgebracht( sieähnelt den Hüten der Huttler)? Wir wissen esnicht! Durch die Weiterverwendung ältererBestandteile lässt sich die Federkrone über dasMaterial nicht datieren. Sie behält einen Teilihrer Geschichte für sich.

Ulrike Kammerhofer- AggermannSalzburger Landesinstitut für Volkskunde

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51. Jahrgang