DRACHEN- Flugkörper im Wind
Claudia Peschel- Wacha
Seit Jahrtausenden inspiriert der Wind die Menschen zur Eroberungder Lüfte. Sie folgen dabei dem Wunsch, ihren körperlichen und geis-tigen Wirkungskreis zu vergrößern. Dabei entwickelte man unter-schiedliche Flugkörper, die alle den Wind benötigen, um sich in derLuft zu bewegen. In der Antike, im Mittelalter und in der Neuzeit führ-te man Experimente mit vogel- und fabeltiergestaltigen Flugobjektendurch. Die Kräfte der Winde nutzend, baute man Drachen und setztesie als Werkzeug, Schreckobjekt, Transportmittel, Kultobjekt und imLaufe der Zeit auch als Spielzeug ein.
Auf der Suche nach dem Ursprung des Drachen
Ost- und Südostasien werden allgemein als Herkunftsgebiet des Dra-chen angesehen. Lange Zeit hindurch galt die Annahme, dass seineVerbreitung von China ausging. Nach neuesten Erkenntnissen dienteder Drachen zu allererst den Bewohnern der Inseln im PazifischenOzean als Werkzeug beim Fischfang. In verschiedenen Kulturen gibtes jedoch Hinweise darauf, dass schon vor mehr als 2000 Jahren völ-lig unabhängig voneinander einfache Flugdrachen gebaut und geflo-gen wurden.
Drachenmythos
Asiatische Drachen wurden bei kriegerischen Auseinandersetzungenzur Abschreckung, zur Vermessung von Strecken, als Transportmittelund als Kommunikationsmittel eingesetzt. Die Bevölkerung glaubte anihre magische Kraft, Unheil abzuwehren. Ließ man einen Drachen los,so trug er als Stellvertreter jenes Unheil, von dem die Menschen betrof-fen waren, mit sich fort. Das Drachensteigen verband man in Chinaauch mit einer Weissagung um das Frühlingstotenfest: Je höher dieDrachen an diesem Fest stiegen, um so besser würde die Ernte werden.
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