LEBENSGEISTER UND KATASTROPHENÜber Mythen und symbolischeBedeutungen eines stürmischen Elements
Michael Weese
,, Die Natur kennt keine Katastrophen,Katastrophen kennt allein der Mensch.Sofern er sie überlebt.
Max Frisch
Windgeschwindigkeiten, Vorwarnstufen, Sturmschäden, Opferbilan-zen: Mit jedem Hurrikan der Stufe vier erneuert sich die Frage danach,ob solche schweren Stürme unausweichliche Naturgewalten oder eineFolge menschlicher Eingriffe in ökologische Systeme darstellen. Erstvor etwa einem halben Jahr wurde die Welt durch die Bilder der Sturm-katastrophe im Süden der USA bewegt; für einen kurzen Momentbrachten die verheerenden Auswirkungen der Hurrikane„ Rita“ und,, Katrina“ ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit, wie ohnmäch-tig der Mensch trotz seiner technischen Entwicklungen gegenüber denelementaren Kräften der Natur immer noch ist, und es möglicherwei-se auch weiterhin bleiben wird. Für Journalisten und Umweltexpertenhaben die Bilder des nach dem Hurrikan„ Katrina“ überfluteten NewOrleans einen Mythos zerstört:„ ,,, Katrina' markiert in unserem Kalen-der das Jahr eins eines neuen Zeitalters. Ein Zeitalter, in dem dieUmwelt nicht mehr sicher und berechenbar, sondern willkürlich ist.",, Burgenland kultiviert den Mythos Wind" übertitelte kürzlich dieOnline- Zeitung„ Economy" einen kritischen Beitrag zur Nutzung derWindenergie, deren Effizienz der Autor als Mythos enttarnt sehenwill, denn der Strombedarf richte sich nicht nach dem Aufkommen desWindes.
Zwei höchst unterschiedliche, aber gleichfalls aktuelle Gedanken-verbindungen zu einem Thema, das- wie das Element selbst nichtimmer leicht fassbar ist. Winde begleiten unsere Ängste und unsereVisionen, sie brechen über uns herein und tragen uns fort. Sie gelten
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