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Wind - Mythos und Antriebskraft : Begleitpublikation zur Jahresausstellung ... von 9. April bis 1. November 2006, Ethnographisches Museum Schloss Kittsee
Entstehung
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Vorwort

Margot Schindler

Lexika belehren uns, dass die Meteorologie unter Wind eine gerichte-te Luftbewegung in der Atmosphäre versteht. Die menschliche Emp-findung signalisiert eine spürbare stärkere Luftbewegung als Wind.Dieser kann lind, lau, leicht, sanft, mild, warm sein, oder aber kühl,rauh, heftig, frisch, stark oder gar schneidend, frostig, eisig, stürmisch.Je nachdem handelt es sich um einen Windhauch, einen Luftzug, einenLuftstrom, um ein Lüftchen, eine Brise, eine, einen Windstoẞ,einen Sturmwind, einen Wirbelwind, einen Orkan. Alte Vorstellungenvon personifizierten Windgeistern lassen den Wind gehen, sich erhe-ben, sich legen, sich drehen. Der Wind kann säuseln, flüstern, pfeifen,beißen, rauschen, brausen, heulen, toben, rütteln; er lässt die Fahnenflattern, die Segel knattern, die Haare fliegen, die Blätter tanzen, dieDrachen steigen.

Manche Veränderungen bringen einen frischen Wind in eine Sache.Unter Umständen weht dadurch zuweilen auch ein etwas schärfererWind. Freunde können in alle Winde zerstreut sein; hin und wiederlässt man sich gerne frischen Wind um die Nase wehen. So mancheWarnung wird in den Wind geschlagen, oft auch ein guter Rat. Mancheiner schwankt wie ein Rohr im Wind, doch sobald er von etwas Windbekommt, kann sich die Sache wenden. Zu wissen, woher der Windweht, ist vielfach äußerst hilfreich. Die Fahne oder den Mantel immernach dem Wind zu hängen, wird jedoch niemandem auf Dauer gutbekommen. Jemandem von Anfang an den Wind aus den Segeln zunehmen, kann einen Vorteil bringen; stinkt etwas gegen den Wind, istHandeln angesagt. Bei gutem Wind davongekommen zu sein, wün-schen sich viele; von etwas rechtzeitig Wind bekommen, kann meistauch nicht schaden.

Allein diese Beispiele aus dem alltäglichen Sprachgebrauch und siesind keineswegs vollständig- zeigen, wie stark die ständig wechseln-den, aber permanent wirkenden Erfahrungen von Wind und Wetter dasLeben beeinflussen. Die vorliegende Ausstellung hat sich zum Ziel

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