Druckschrift 
Holzkirchen in Böhmen, Mähren und der Slowakei
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Eine andere Art des Ständerbaues mit außen sichtbarem Bal-kenwerk aus Eichenholz, s.g. Bundwerk,( Abb. 4) finden wir bei derArtikularkirche in Hronsek( 1725-1727). Das reich gezimmerteBundwerk kommt in einigen Gegenden Oberbayerns und Ober-österreichs( Innviertel), vereinfacht auch in Kärnten und der Steier-mark überwiegend bei Wirtschaftsgebäuden, noch heute vor. 32 Es istdaher ein wenig überraschend, in der Mittelslowakei einen Sakral-bau in dieser Technik zu sehen. Der nicht beweisbaren Überliefe-rung nach, wurden die Pläne der Kirche in Wien angefertigt, was imHinblick auf die oben erwähnte Verbreitung dieser Technik stimmenkönnte.33

Das Fachwerk ist eine Form des Ständerbaues, wo die Zwi-schenräume des Holzgerüstes mit Flechtwerk, Backsteinen, Stei-nen, später auch mit Ziegeln ausgefüllt wurden. Diese für denwesteuropäischen Raum typische und auf unserem Gebiet vonden deutschen Kolonisten mitgebrachte Technik war schon immittelalterlichen Stadt- und Burgbau wegen ihrer niedrigen Kostenund leichterem Aufbau im Vergleich zum Steinbau beliebt. Im Sa-kralbau hat sie sich, mit Ausnahme von einigen kleineren Bauwer-ken in Westböhmen, auf unserem Gebiet nicht durchgesetzt.Umso wertvoller ist daher die Abbildung auf einer Kirchenfenster-vitrage von der nicht mehr existierenden Artikularkirche in Levoča( 1711-1838) in einem von deutschen Kolonisten besiedelten Ge-biet der Ostslowakei Spiš/ Zips.34

Im Vergleich zum Ständerbau stellt die schon von den altenSlawen auf unserem Gebiet verwendete Blockbauweise ein ande-res Konstruktionsprinzip dar. Die Wand bilden verschieden verar-beitete, waagrecht aufeinander liegende Stämme, die an denEcken mit verschiedensten Verblattungen verbunden sind. DerBlockbau liegt auf einem Schwellenkranz aus behauenen und oftüber die Grundwände herausspringende Balken aus hartem Holz( überwiegend Eiche)-( Abb. 1). Die häufigste Holzart desBlockbaues war Fichte, bei den Kirchen der Ostslowakei oft dieLärche oder Tanne, die auch in Schlesien vorkommt, seltener dieKiefer. Die Eiche verwendete man vor allem für Säulen, Türen undTreppen, sowie für die Konstruktion der Türme. Das Hauptwerkzeugwar die Axt, im 19. Jh. dann die Säge.

16