VORWORT
In den waldreichen Ländern Nord- und Osteuropas, von Skandinavienüber Finnland bis zum Balkan, hat sich eine Kirchenarchitektur in bodenständi-ger Holzbauweise entwickelt, die, neben dem Steinbau, als ein kraftvoller Aus-druck handwerklicher Volkskunst gelten darf. Das Österreichische Museum fürVolkskunde hat vor wenigen Jahren die Möglichkeit gehabt, in seiner Außen-stelle Schloß Gobelsburg westlich von Wien in einer umfangreichenPhotodokumentation eine übersichtliche Darstellung der Tradition der auskunstwissenschaftlicher und volkskundlicher Literatur hinlänglich bekannten,, Norwegischen Stabkirchen“ zu vermitteln. Eine ähnliche Einsicht in die For-menvielfalt, Entwicklungsgeschichte, Verbreitung und Funktion der„ Holzkir-chen in Böhmen, Mähren und der Slowakei", in den Österreich im Nordostenunmittelbar benachbarten Ländern der Tschechoslowakischen SozialistischenRepublik also, bietet die gegenwärtige Sonderausstellung des Ethnographi-schen Museums Schloß Kittsee. Als Zweigmuseum des Österreichischen Mu-seums für Volkskunde im Osten von Wien hat dieses Museum, die Kenntnis derVolkskultur der Länder und Völker im Osten und Südosten Europas zu erweiternund zu vertiefen. Das umfangreiche Bildmaterial besteht aus Aufnahmen, die indiesem Jahr auf wiederholten Kundfahrten gemacht werden konnten und somitden gegenwärtigen Zustand und die aktuelle Lebenswirklichkeit dieser Bau-werke religiöser Volksarchitektur bezeugen. Der Besucher der Sonderausstel-lung wird es zu würdigen wissen, daß auf dieser Grundlage einer gegenwarts-bezogenen Bestandsaufnahme zum ersten Mal eine derartige fundierte undwissenschaftlich erläuterte Zusammenschau der vielfach bewunderten slowa-kischen Holzkirchen östlichen Ritus' wie auch der Holzkirchen katholischer undreformierter- protestantischer Konfession in Böhmen und Mähren vermitteltwird. Diese Leistung ist Frau Dr. Vera Mayer zu danken, die mit diesem Themaan der Universität Prag im Fach Kunstgeschichte 1977 promoviert hat, heute inÖsterreich lebt und freiberuflich in ihrem Wissenschaftsfache weiterhin tätig ist.Bei der Vorbereitung der Ausstellung hat es sich als äußerst förderlich erwie-sen, daß der Ehemann von Frau Dr. Vera Mayer, Franz Mayer, nicht nur einbegeisterter Photograph ist, dem die Ausstellung sämtliche neuen Aufnahmenverdankt, sondern als Diplomgraphiker der Gestaltung der Ausstellung und desKataloges eine ansprechende äußere Gestalt gegeben hat. Der Dank derMuseumsdirektion gilt somit zuerst dem Autorenehepaar dieser Ausstellung. Errichtet sich weiterhin an die Mitarbeiter des Ethnographischen MuseumsSchloß Kittsee, die sich gleichzeitig mit den Arbeiten zur Vorbereitung des 3.Burgenländischen Advents im Ethnographischen Museum Schloß Kittsee fürVorbereitung und Durchführung dieser Ausstellung voll eingesetzt haben. DerMuseumsabteilung des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschungund dem Kulturreferat der Burgenländischen Landesregierung ist wiederum fürdie Förderung dieses Ausstellungsprojektes an dieser Stelle gleichfalls zudanken.
5-
KLAUS BEITL