EINLEITUNG
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Erwähnt man das Wort Holzkirchen, denken viele an Norwegen, Nordruß-land oder Rumänien. Nur Wenige wissen, daß man nicht so weit gehen muß, umdie stillen Zeugen einer vergangenen Zeit bewundern zu können. Auch in derTschechoslowakei, in den Gebieten der damaligen Kronländer derÖsterreichisch- Ungarischen Monarchie Böhmen, Mähren und Slowakei-befinden sich die letzten Denkmäler einer Baukultur, die mehr als nur überBaukunst, Schönheitsideal und Geschicklichkeit ihrer Schöpfer aussagt. DieseBauwerke bergen ein Teil europäischer Geschichte in sich und ermöglichenuns einen Blick in die geistige, aber auch alltägliche Welt unserer Vorfahren. DieHolzbaukultur prägte ihr Leben in der Morgendämmerung der europäischenGeschichte, in manchen Gegenden bis heute.
Archäologische Funde und schriftliche Quellen bestätigen die Existenz derfrüh- und hochmittelalterlichen Holzkirchen auch in England, Deutschland, denNiederlanden, Schweiz und Österreich. In diesen Ländern wurden sie jedochsehr früh durch feste Baumaterialien ersetzt. In manchen Gegenden Mittel- undOsteuropas setzte sich diese Bautradition dagegen weiter fort.
Die überlieferten Holzkirchen sind kostbare Dokumente einer Baukulturjener Gebiete, in denen früher das reiche Vorkommen von Holz und der Mangelanderer Baustoffe dazu führte, daß Holz nicht nur als Baustoff für profaneBauten in den Dörfern und Städten, sondern auch für Burgen, Klöster, Kirchenund Glockentürme verwendet wurde. Kommen Sie mit uns auf eine Ent-deckungsreise in die Vergangenheit. Verlassen wir unsere modernen Städtemit ihren Baukomplexen aus Beton und Stahl, die Autobahnen und breit asphal-tierten Straßen und fahren zu manchmal abgelegenen Ortschaften, wo auf unsvon riesigen, hunderte Jahre alten Linden umgeben, die letzten Zeugen einereinmal mächtigen Bautradition und eines heute schon fast vergessenen Le-bensstiles warten.
Mit der Hilfe moderner Verkehrsmittel fällt uns diese Reise nicht so schwer,wie dem tschechischen Architekten und Volkskundler Josef Vydra, der in den20- er Jahren dieses Jahrhunderts nach drei Stunden Fußmarsch Ortschaftenerreichte, für die wir heute wenige Minuten benötigen. Bewunderung gebührtauch den damaligen Forschern F. Zapletal, B. Vavroušek, V. Mencl, V. Sičynskyjund anderen, die diese Bauwerke für uns entdeckt haben.
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VERA MAYER