Verwirrende Vielfalt-
Die Religionen der Nicht- Han- Ethnien Südchinas
Helmut Lukas, Pacchira Chindaritha
In der VR China leben nicht nur ethnische Han- Chinesen( Hanzu), sondernauch eine ganze Reihe ethnischer Minderheiten, die heute über 9% derGesamtbevölkerung( über 90 Mio.) ausmachen. Zur Zeit gibt es in der VRChina 116 autonome Gebiete, darunter
• 5 autonome Regionen/ Zizhiqu( Tibet, Innere Mongolei, Guangxi Zhuang,Ningxi Hui und Xinjiang Uigur),
• 30 autonome Bezirke( Zizhizhou, engl. prefectures) sowie
113 autonome Kreise( Zizhixian, engl. counties).
Die autonomen Gebiete, in welchen 50 Millionen Minderheitenangehörigeund 70 Millionen Han- Chinesen leben, umfassen beachtliche 64% derGesamtfläche Chinas. Die chinesische Verfassung nennt die nationalen Mino-ritäten ausdrücklich und garantiert ihnen zahlreiche Freiheiten und Rechte bishin zum Schutz vor dem« Han- Chauvinismus». Die Minderheiten dürfen sichihrer Sprache bedienen und ihre Riten pflegen.
Bis jetzt haben 55 ethnische Gruppierungen den offiziellen Status einer Min-derheit erlangt. Besonders im Süden des Landes befindet sich eine Vielzahlethnischer Gruppen mit den unterschiedlichsten Wirtschaftsformen, Sozial-strukturen und Glaubenssystemen. Dies ist hauptsächlich auf die Tatsachezurückzuführen, daß die bis dahin auf ihr Kernland um den Yangtzebeschränkten Han- Chinesen seit ca. 2.000 Jahren im Rahmen ihres großräumi-gen und steten ,, Marsches nach dem Süden"( Wiens 1954) die chinesischeKultur und Lebensweise verbreiteten. Besonders in der Zeit zwischen dem11. und 15. Jahrhundert wurden viele Ethnien der damals weiter nach Nordenreichenden südostasiatischen Kulturregion entweder in die Berge abgedrängtoder überlagert und mehr oder minder stark assimiliert- oder sie setzten sichselbst in Bewegung und gaben( wie z. B. die Tai- Ethnien; s. u.) den Druck anweiter südliche lebende Ethnien bei. Je mehr sich das Reich der Mitte ausbrei-tete, desto zahlreicher wurden die in seinem Einflußbereich lebenden„, Rand-völker"( Eberhard 1942). Aber dieser Prozeß darf nicht einseitig nur als Sinisie-rung ,, barbarischer Glossar ::: zum Glossareintrag barbarischer" Völker aufgefaßt werden. Anders herum betrachtetkönnte man auch die chinesische Kultur als das Resultat der Verschmelzungverschiedenster kultureller Traditionen, als ethnogenetischen Prozeß betrach-ten, in dem über einen längeren Zeitraum betrachtet nicht nur zahlreiche Eth-
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