Christlicher Kosmos
Franz Grieshofer
Das Österreichische Museum für Volkskunde besitzt eine umfangreiche Samm-lung zur Volksfrömmigkeit. 1966 konnte ein wesentlicher Teil davon in Räu-men des ehemaligen Ursulinenklosters in der Johannesgasse im Ersten WienerBezirk der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Rund um die im Zen-trum stehende und in situ belassene alte Klosterapotheke wurde von LeopoldSchmidt in Zusammenarbeit mit Klaus Beitl eine separate Museumsabteilungzur religiösen Volkskunde eingerichtet, die sich in drei Abschnitte gliedert:Christusverehrung, Marienverehrung und Heiligenverehrung. Den Mittelpunktdieser permanenten Ausstellung bildet das Bild„ ,, Christus als Apotheker". Eszeigt Christus als den Heilbringer der Kranken, der die wahre Medizin für dieMenschen bereithält.( Siehe dazu den Katalog: Schmidt, 1967)Dieses Bild mit seiner allgemein verständlichen Botschaft verbleibt währendder Laufzeit der Ausstellung ,, Hilf Himmel" zusammen mit den anderenObjekten in der Museumsaußenstelle in der Johannesgasse und kann dortbesichtigt werden( jeden Mittwoch von 10.00 bis 17.00 Uhr). Dank der reich-haltigen Reserven verfügt das Österreichische Museum für Volkskunde näm-lich über eine genügend große Anzahl an Auswahlobjekten, um diese Sonder-ausstellung ausschließlich mit eigenen Objekten zu bestreiten, ohne auf dieSchaustücke in der Klosterapotheke zurückgreifen zu müssen. Es sei allerdingsnicht verschwiegen, dass die Beschränkung auf die eigene Sammlung einegewisse Einschränkung und Zufälligkeit mit sich bringt. Außerdem gilt es zuberücksichtigen, dass die oft lange zurückliegende Erwerbung der Objektenicht unter den Gesichtspunkten der gegenwärtigen Ausstellungsthematikerfolgte. Gerade dieser Umstand macht es überaus reizvoll, die Objekte nun ineinem neuen Kontext zu zeigen.
Das Bildwerk als ikonographische Quelle
Das Bild spielt in der katholischen Glaubenswelt gegenüber der evangelischen,in der das Wort und die Schrift dominieren, eine wichtige Rolle.( Krisss- Retten-beck, 7-16) Das Bild vermag die Inhalte sinnenhafter, einprägsamer und dau-erhafter vermitteln. Die katholische Kirche verstand es daher seit ihren Anfän-gen, das visuelle Medium als Mittel der Katechese zu nutzen. So forderte jenerPapst Gregor II.( 715-731), der Bonifatius, dem„ Apostel Deutschlands", sei-nen Sendungsauftrag erteilte, man möge das Evangelium„ per literas et pitu-ra" verkünden. Das Bild dient aber nicht nur zur Belehrung, sondern auch zurAndacht und Erbauung. Ein und dasselbe Bild oder Zeichen kann somit dem
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