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Hilf Himmel! : Götter und Heilige in China und Europa
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Vom Wesen der Heiligen-Schlaglichter auf ihre Bedeutung und Verehrungvom Frühchristentum bis in die Gegenwart

Kathrin Pallestrang

Nikolaus, Martin, Barbara, Florian, Georg, Christophorus,... rund zwanzigtau-send ,, Heilige" sind im Umfeld der katholischen Kirche bekannt. Die Zahl istbeeindruckend und dennoch ist es keine Selbstverständlichkeit, daß im Chri-stentum überhaupt Heilige verehrt werden. Ihre Bedeutung in der Glaubens-ausübung kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden, während sie inder Dogmatik, in der vorgeschriebenen Lehre, eine untergeordnete Rolle spie-len. So gibt es in der katholischen Kirche beispielsweise kein Gebot, das dieVerehrung von Heiligen ausdrücklich fordert. Gerade die Heiligenverehrungwurde innerhalb und außerhalb der Kirche immer wieder aufs heftigste ange-griffen und verurteilt.

Was ist unter dem Begriff eigentlich zu verstehen: was macht einen Heiligenoder eine Heilige aus und wie wird man zu einer heiligen Person? Die Empfin-dung von Heiligkeit" im Gegensatz zum Profanen" ist nicht nur im christli-chen Glauben gegeben, sondern ist grundsätzlich in allen Glaubensrichtungenzu finden. Doch in jeder Kultur- und auch innerhalb einer Religion zu ver-schiedenen Zeiten wird und wurde darunter etwas anderes verstanden. Nichtnur Personen können heilig" sein, auch Orte und Gegenstände, bestimmteZeitabschnitte, Institutionen, Taten. Der folgende Artikel fragt dem Konzeptder Ausstellung folgend nach den Heiligen im Christentum, zeichnet schwer-punktartig ihre Verehrung von den Anfängen bis in die Gegenwart nach,wobei das Hauptaugenmerk auf die Glaubensinhalte und auf die gelebteFrömmigkeit der weströmischen und später der katholischen Kirche gelegtund Maria als Königin aller Heiligen" ausgeklammert wird; ihr ist im vorlie-genden Band ein eigener, umfassender Artikel gewidmet.

Von Märtyrern und Bekennern, von Anbetung und Verehrung

Die Heiligenverehrung des Christentums beginnt im zweiten Jahrhundert: Inden ersten Jahrzehnten nach Jesu Tod schien seinen Anhängern seine baldigeWiederkehr sicher. Vor dem Hintergrund der Christenverfolgungen stand dieHoffnung im Zentrum, daß das Ende der Welt nah sei; die Apokalypse wurdeerwartet, das Jüngste Gericht und danach das Ewige Leben. Da die Zeitspannebis dahin immer länger wurde, stellten sich allmählich die Fragen nach demAufenthaltsort der Toten bis zum Jüngsten Gericht und danach, ob einzelne

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