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Schmuck : filigrane Kunst aus Gold- und Silberfäden ; Katalog zur Ausstellung
Entstehung
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VI. Pfeifenköpfe und Zigarrenhalter

Von einem reisenden Engländer wurde im Jahre 1837 das Pfeifenrau-chen in der Steiermark beschrieben. Seinem Erleben nach war diePfeife ,, wie ein angeborenes Zubehör des männlichen Mundes", da sienicht einmal beim Tanzen weggelegt wurde. Auffallend waren sie jaauch, die steirischen Pfeifen und Pfeifchen: hatten sie doch kurze,rechteckig abgebogene Pfeifenköpfe mit türmchenartigem Deckel undgeradem, abgesetzt gedrehtem Kopf. Vielfach weisen sie mehr oderminder reiche Filigranzier und teilweise auch Perlmutterplättchen- Be-satz oder Einlegearbeiten auf. Und was halt gar so beliebt ist, erhältauch einen, Kosenamen". So wurden die Pfeifen denn auch, Steyrer-nagel", Torangel",, Nasenwärmer" oder gar ,, Rotzbohrer"( wegen derhohen Spitze!) genannt. Mancherorts hießen sie auch Küniglpfeifen",diese hatten dann herabhängende winzige Messingplättchen in drei-eckiger oder rautenförmiger Form. Die besseren Pfeifen waren ausAhorn- oder Buchsbaumholz, sonst wie es hieẞ aus ,, Feichten"-Holz. In der Ausseer Gegend hießen sie, Hutmann- Pfeifen", da sieoffensichtlich ein Privileg der Hutleute bei der Saline waren.

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3 Pfeifenköpfe

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Holz, Messing, Kupfer, Bouillon, Einlegearbeit.Steiermark, Mitte 19. Jh.

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Inv.-Nr. 32.216, 345,43.196

Die Ulmerköpfe, auch Pratzlpfeifen" oder Ruckweahpfeifn"(= Rücken-weh- Pfeifen) waren in der Steiermark sehr beliebt. Sie hatten ihren Namennach dem ursprünglichen Herstellungsort Ulm. Dort wurden sie in ihrerForm wohl das erste Mal so geschnitzt und vertrieben:" The innovation ofthe distinctive Ulm wood pipe is attributed to Jakob Göcklen, who, havinggiven up his trade as weaver, began to make pipes in 1733... The firstpage of the selection of Johann Leibinger is known from an advertisinglithography. Its inscriptions dubs it an introduction to the' Ulm pipe- heads'of Johann Leibinger near the Deer- house of Ulm..." Von Ulm wurde sieweitum vertrieben und wegen ihres markanten Aussehens sofort als,, Ulmer- Typus" erkannt. Besonders natürlich in Bayern, aber auch in derSchweiz und speziell in Tirol, where it was imitated", fand dieser Pfei-fentypus seine Liebhaber." It was more than simply a functional object, itwas a status symbol, a representative indicator of the prosperity of itsowner." Damit war aber wohl der verfeinerte Typus gemeint, im allgemei-nen, besonders die steirische Version, zeigt eine sehr einfache, eherbescheidene, aber markante Gestaltung.

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