II. Hals- und Brustschmuck
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts zogen italienische Hausierer immeröfter durch die bayerischen Lande und boten als„, letzten Schrei" einenschwarzen Halsflor aus Crepon oder Baumwolle an. So etwa zwischen1724 bis 1731- genaue Aufzeichnungen aus Ebersberg liegen vor-konnte man die Veränderung genau feststellen; mehr und mehr setztesich das schwarze Halstuch, der Halsflor durch. Nun war diesesschlichte schwarze Tuch für die Damenwelt der damaligen Zeit natür-lich nicht Schmuck genug. Es kam wie es kommen mußte: irgendwanntaucht als zusätzlicher Schmuck eine silberne Schnalle( Florschnalle,im Innviertel auch Flohnschnalle genannt) auf. So wenigstens sagenes die Hinterlassenschaftsakten. 1729 für Benediktbeuern, 1753 fürHeilbrunn und so weiter. Eine filigrane Florschnalle wird allerdings erst1778 erwähnt.
Der weite höfische Halsausschnitt der adeligen Damen fand- beein-flußt sicherlich durch die kirchlichen Autoritäten bei Bürgersfrauenund Bäuerinnen wenig Anklang, so jedenfalls meint die Literatur.Vielleicht war es aber mehr das Bedürfnis, vorhandene Körpermän-gel- etwa den in den Alpenländern weitverbreiteten durch Jodmangelbedingten Kropf- zu verdecken. Das Dekolleté wurde deshalb miteinem Seidentuch bedeckt, das wiederum mit goldenen Spitzen ver-sehen war. Die reichen Bürgersfrauen zogen das kostbare Tuch aberdoch nicht ganz hoch, sondern schmückten lieber den Halsansatz mitlangen ,, Wickelketten": ,, 10 3/4 Lot schwer, 15 Gulden teuer"( Bad Tölz1797), wozu auch noch vielfach die Florschnalle getragen wurde. Inden frühen Jahren des 19. Jahrhunderts vollzieht sich dann derÜbergang zu den Halsketten mit Schließe. Die silberne Halskette, die,, Kropfkette", die in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts weite Verbrei-tung findet, vereinigt das Prinzip der Wickelkette mit dem der Flor-schnalle.
Die größeren Halsketten sind 6- bis 14gängig und haben etwa 10 bis22 Lot Gewicht; die teuersten kosteten etwa 32 Gulden! Eine ovale,rechteckige oder quadratische Schließe mit Filigranauflage, buntenSteinen und Perlen hält die Ketten, die Gänge vorn zusammen. Fürdie Größe der Schließe und damit die Anzahl der Gänge warenSchmuckbedürfnis und der Wunsch, seinen Reichtum zu zeigen,entscheidend.
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