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Schmuck : filigrane Kunst aus Gold- und Silberfäden ; Katalog zur Ausstellung
Entstehung
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B. Einleitung

Es mag ganz interessant und nützlich sein, zunächst bei dem Wort,, filigran" zu beginnen und dies in all seiner Vielfalt der Aussage zubetrachten. Diese aus den beiden italienischen Worten filo"( derFaden) und grana"( das Korn) zusammengesetzte Wort- das Real-lexikon zur deutschen Kunstgeschichte lehnt die Herkunft aus demLateinischen kategorisch ab- bezeichnet jene handwerklichen Arbei-ten, bei denen verlötete Drähte aus unterschiedlichsten Werkstoffen-mit oder ohne Bindung an einen Rezipienten- ornamentbildend ver-arbeitet sind, d.h. Filigrandraht wird zumeist zu ornamentalen Mustern,Rosetten und eng gewickelten, flachen Spiralen oder Schlaufen gebo-gen. Die Tatsache, daß man mit wenig Materialaufwand- eben mitäußerst dünnem Draht- sehr umfangreiche Schmuckflächen orna-mental verzieren konnte und diese vielfach sogar den Eindruck sehrzarter, feiner Handarbeit machten, verhalf dem Filigran in der bürger-lichen Schmuckkunst des 19. Jahrhunderts zu weiter Verbreitung.Nicht minder war die Bedeutung beim Trachtenschmuck; gerade durchden hiebei verwendeten Silberdraht erfreute sich Filigran größterBeliebtheit.

Von der Technik her handelt es sich um feinste zusammengedrehteFäden aus Gold oder Silber oder um andere Metalldrähte( Messing,Kupfer, Eisen), die mit der Hand verfertigt wurden und durch stählerneLochzieheisen für die verschiedensten Drahtstärken gezogen wurden.Sie wurden schließlich wie eine Kordel gedreht und wieder gewalzt,woraus sich dünne, zarte Fäden ergaben. Diese Drahtstreifen wurdenzu spitzenähnlichen Gebilden geformt und mit Stegen, Halbkugeln,Facettenbuckeln, Rauten, Herz( ch) en, Tönnchen und unregelmäßi-gen, flachgewalzten Plättchen verbunden. So ergibt sich ein in seinerWirkung durchaus beabsichtigter Wechsel von undurchsichtigen Flä-chen und je nach Feinheit mehr oder weniger durchsichtigen spitzen-artigen Drahtgebilden in Form von Ranken, Spiralen, Rosetten,Mandorlen, aber auch abstrakten Gebilden. Dieses Filigranwerk kannals Zellenfiligran freiliegend gestaltet oder auf einer Grundplatte befe-stigt sein. Nicht unerwähnt sollen die anderen Schmucktechnikenbleiben: Guẞ-, Preß- und Treibarbeit, die in der Folge aber nicht weiterverfolgt werden.

Filigrane Arbeiten kannte man schon in Troja( um 2500 v. Chr.), inMykene( um 1500 v. Chr.), besonders aber auch bei den Etruskern

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