Druckschrift 
Das Balladendrama der Südslaven
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

18

-

Das Pre-blem des

das den Tod sucht, damit der Ungerechte sie nicht mehr imHause finde, aus dem er sie verwies. Sie sträubt sich gegendie Wiedervermählung so sehr sie kann, wagt den Freierwie den ersten Mann durch Zeichen daran zu mahnen, daßsie Mutter, Ernährerin ist, mit ganzer Seele an ihren Kindernhängt, und geht endlich an der letzten und ärgsten Verken-nung ihres Herzens zugrunde.

Ogrizović hat die Gestalten des tragischen Paares ver-Dramas. ändert, zum Teil ins Bizarre gesteigert, zum Teil entstellt.Statt aus seiner Quelle das durch sie gegebene sittengeschicht-liche Problem zu entwickeln, trägt er ein modernes Aperçuin sie hinein: die Trauer über die Vergänglichkeit der zwischenMann und Weib Glossar ::: zum Glossareintrag  Weib hin und wider webenden Liebe und dasProblem dieser Liebe selbst. Ein interessanter Vorwurf, dessenDurchführung ihm mißglückte. Ogrizović' Aga ist ein senti-mentaler, brutaler, perverser Egoist. Sein ganzes Benehmengeht unbewußt darauf aus, die Frau ins ,, Paradies" zu be-fördern. Sein Ungenügen, seine Zweifel an der Liebe derGattin könnte diese nur durch einen Selbstmord aus Liebeheben. Nachdem sie lange getrotzt hat, tut sie ihm den Ge-fallen und stirbt einen Theatertod.

Poetisch wirksam sind an diesem, Gefühls- und Begriffs-verwirrung mitteilenden Drama der Stoff, das Problem, dieeinheitlichen, entzückend farbigen Bühnenbilder und ein baldweicher, bald wilder, echt slavischer Lyrismus. Diese ,, Ha-sanaginica" ist eine Art Volksstück geworden, bietet dem Augeund dem Durchschnittsbedürfnis nach Rührung so viel, daßes seine Zugkraft nicht leicht verlieren kann.

Weniger glücklich war Milan Ogrizović mit dem Versuch,die große, psychologisch ebenfalls merkwürdige Rhapsodievom Banović Strahinja zu dramatisieren, die seinerzeit auchKarl Augusts Interesse erregt hatte. Hier möchte ich nurMoti- auf ein allen diesen zur Bearbeitung reizenden Balladen ge-aufgaben. meinsames Moment hinweisen. Wir haben es fast in jeder

vations-

derselben mit einer psychologischen Hemmung oder Wunder-lichkeit zu tun, die, weil unverstanden, zu allerlei Deutungen