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Schmuck aus den Beständen des Museums : Katalog
Entstehung
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II. Beweglicher Schmuck

In diesem Kapitel sind Schmuckstücke zusammengefaßt, dieunmittelbar am Körper getragen werden, jederzeit angelegtund abgelegt werden können. Ihre Gliederung erfolgt nachden menschlichen Körperteilen, für die sie bestimmt sind,wobei zeitliche Kleidungssitten und Modetrends immerwieder den einen oder anderen Körperteil bevorzugenkonnten.

1. KOPF- UND GESICHTSSCHMUCK

Kopf, Haar und Gesicht können mit einer Vielfalt an Zierat ge-schmückt werden.

Um 1817 wurden im bürgerlichen Milieu Wiens die Haar-schlingenknoten modern, breite Steckkämme mit durchbro-chenen Aufsätzen zierten sie. Ein Zeitgenosse beschrieb dieseFrisuren auf treffende Weise:" Die Haare waren in zweiungeheure Seitenlocken so streng geteilt, daß man durch dieMitte wie durch eine Allee auf den Schildpattkamm, der amobersten Ende steckte, hinsah"( 4). Die etwas später auch imländlichen Bereich getragenen hohen Zierkämme weisen aufsolche städtischen Vorbilder der Biedermeierzeit. In der erstenHälfte des 19. Jahrhunderts gab es in Sterzing eineHausindustrie, die Horn- und Beinarbeiten massenhaft her-stellte. Eine besondere Spezialität stellten die grossen Kämmeaus weißem Horn dar, deren Zierschilder figuraldurchbrochen und mit kardinalroter Zinnfolie unterlegtwaren( 5). Etwa in die gleiche Zeit fällt das Kammacher-gewerbe in Steyr. Die Steyrer Kammacher verarbeitetengleichfalls Horn beziehungsweise Schildpatt, die Zierschilderder Kämme wurden auch von ihnen in reicher Durch-bruchsarbeit gefertigt( 6). Mit Änderung der Haarmode verlordas Gewerbe allmählich an Bedeutung. So kommen um 1835die großen Steckkämme aus der Mode und man sagt," daẞaus diesem Grunde die Gräzer Kammfabrik zusperren mußte"( 7); im ländlichen Bereich trat diese Entwicklung mit einergewissen Verzögerung ein. Haarpfeile, Haarstecher, Haar-und Haubennadeln, wie sie auch genannt wurden, waren im19. Jahrhundert stark verbreitet.

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