I. Fester Schmuck
Durch verschiedene Künste Schönheit, Jugend oder Status zurGeltung zu bringen, war immer schon ein Wunschtraum derMenschen. Mit einer Palette von Kosmetikartikeln, mit Haar-und Barttrachten, Tätowierungen und Deformationen wirdder Körper verändert, um dem jeweiligen Modetrend zufolgen.
Von der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts bis um 1480" schoben" die Damen" den Leib stark nach vorne" undtrugen eine kurze Taille, der Körper wurde umgeformt, umdem Schönheitsideal zu entsprechen. Modern war es, Stirnund Schläfen zu rasieren und das Haar unter Hüten zuverstecken( 1). Eine modische Neuerung brachte Spanien mitder Erfindung des Korsetts um die Mitte des 16. Jahrhunderts." Mit einer tiefen Schneppe(= die vordere verlängerte Spitzedes Frauenmieders) wurde der Oberkörper der Frauen zuerstmit Bandagen, dann mit Stahlbändern flach gepreßt. Wenndas nicht gelang, glich man die Wölbungen des Busens mitPolsterungen aus, solange, bis der Oberkörper zu einemflachen, auf der Spitze stehenden Dreieck wurde...Eigentümlicherweise übernahmen auch die Männer diePolsterung in Schneppenform. Das Wams wurde stark aus-gestopft. Der pralle' Gänsemagen' oder' Erbsenschotenbauch'gehört zu den augenfälligsten Auswüchsen der Mode, zurvorsätzlichen Deformierung des Körpers"( 2). Lange hielt sichdiese spanische Mode in Europa. Mit einigen Unter-brechungen verblieb der Frau das Korsett bis in das frühe 20.Jahrhundert. Erst dann wetterten die Ärzte gegen dieDeformierung des weiblichen Körpers.
Maria Theresia hat versucht, das Schminken einzudämmen." Man malte sich grelle Flecke mit festumrissenen Rändern, diesich vorschriftsmäßig gegen die Augenwinkel und Ohrenhinzogen, was den Augen einen erhöhten Glanz verleihensollte. Die Wiener Rumorwache bekam von der Kaiserin denAuftrag, dermaßen verfärbte Damen auf der Straßefestzunehmen und einzusperren"( 3). Doch nach einigenJahren wurde das Verbot wieder aufgehoben und dieWangenfärberei kam mehr denn je in Mode und die Männerstanden in puncto Eitelkeit dem weiblichen Geschlecht innichts nach.
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