14
hat. ,, Ein wunderschöner alter Kasten mit einer Sonnentüre", mur-melt er. Und schon hat er sich auf ein Stockerl gesetzt, Zeichenpa-pier, Bleistift und Farben hervorgeholt, und nun wird der Kasten„ verewigt". Der nächste Besuch gilt dem Bauernhaus gegenüber.Dort soll ein altes Himmelbett stehen, gleichfalls wert, in die Samm-lung aufgenommen zu werden. In anderen Häusern wiederum gibtes einzigartig schöne Uhrtafeln, Bauerngläser, seltsam geformteKrüge, Sessel in den verschiedensten Formen, Votivtafeln, in derRumpelkammer wird eines der altertümlichen Fahrräder entdeckt,wie sie vor vielen Jahren als Spielzeug für Kinder gebastelt wurden,am Friedhof soll ein ganz merkwürdiges, kunstvoll gearbeitetesGrabkreuz zu sehen sein; hier fällt einem ein hübsches, uraltesGiebelzeichen auf,-- dort Stuckarbeiten, die den Lebensbaum undden Dreisproẞ zeigen, das Dach drüben trägt einen Rauchfang, derganz seltsam geformt ist, und an dem großen Hof, der am Ende desDorfes steht, ist schon die Form an sich interessant, also wert, imBild festgehalten zu werden. Das gleiche gilt für den Spruch ober-halb des Tores, der da lautet:„, Lieben und nicht haben, ist härter wiedas Steine graben"...
Der Bauernhof mit Schießscharten
Seit vier Jahren geht der akademische Maler Hans Neumüller, einbekannter Waldviertler Künstler, im Auftrag des Zwettler KreisleitersReisinger von Haus zu Haus, um Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum und Volkskunst, wiesie sich bis auf den heutigen Tag im Zwettler Gebiet erhalten haben,so getreu wie nur möglich zu Papier zu bringen.„ Der Zweck meinerTätigkeit", so erzählt Neumüller,„ ist ein zweifacher. Für's erste liegtuns daran, ein, wenn man so sagen darf, papierenes Museumanzulegen, das für die künstlerische Kraft, die in unserem Menschensteckt und sich erfreulicherweise immer wieder zeigt, für alle ZukunftAuskunft geben soll. Für's zweite wollen wir erreichen, daß das, waseinst aus den Wurzeln echtester Volkskunst geworden ist, denKünstlern und Handwerkern von heute zu wertvoller Anregung wird,daẞ also diese alte Kunst in zeitgemäßer Form Wiederauferstehungfeiert. Ich habe auf meinen Streifzügen, bei denen mich eine Mitar-beiterin aus Wien unterstützt, ganz überraschende Feststellungengemacht. So konnte ich in den vier Jahren meiner Tätigkeit überhundert verschiedene, darunter besonders originelle Formen vonSesseln feststellen. In Brunn Nr. 9 bei Arbesbach malte ich eine