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Waldviertler Heimat-Bilder : Studien zur Sachkultur vor 50 Jahren ; Sonderausstellung mit Werken von Milly Niedenführ, Hans Neumüller, Helmut Deringer, Franz Bilko und Friedrich Stadler ; Katalog
Entstehung
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Franz Bilko

Franz Bilko wurde am 5. Juni 1894 in Gumpoldskirchen geboren, woer seine Kindheit verbrachte und die Volksschule besuchte. Nachseiner Matura im Gymnasium Baden begann er auf Wunsch seinerEltern an der Universität Wien Rechtswissenschaften zu studieren. Ermußte in den Ersten Weltkrieg einrücken und setzte sein Studium nachder Rückkehr aus italienischer Kriegsgefangenschaft im Jahre 1919nicht mehr fort, sondern entschloß sich für eine künstlerische Ausbil-dung und studierte von 1919 bis 1925 an der Hochschule für ange-wandte Kunst( damals Kunstgewerbeschule) in Wien und München. 10Die Zeichnungen im Waldviertel sind vor seiner Einberufung in denZweiten Weltkrieg angefertigt worden. Eines der Blätter ist mit 1938datiert. Am Ende des Krieges kam er für kurze Zeit in amerikanischeKriegsgefangenschaft. Danach setzte er seine Tätigkeit als freischaf-fender Künstler wieder fort und erhielt 1962 in Anerkennung seineraußerordentlichen künstlerischen Leistungen das Bürgerrecht derStadt Baden verliehen. 1968 kam er bei einem tragischen Unfall umsLeben.

Die von ihm in der Privatsammlung erhaltenen Blätter zeigen vor allemZeichnungen von Dreiseithöfen der entsiedelten Orte im Gebiet desTruppenübungsplatzes Allentsteig. Es handelt sich dabei um die ver-fallenen Dörfer Edelbach, Kleinhaselbach, Dietreichs und Söllitz. EinVergleich mit Photographien zeigt die detailgetreue Wiedergabe. InSchlagles und Dietreichs verewigte er alte Schuppen genauso minu-ziös und hielt Dachgiebel, Haustüren, Rauchfänge und Vogelscheu-chen fest. Franz Kaindl bestätigt die genaue Arbeitsweise des Künst-lers: 11 Die Signatur Franz Bilko, Baden säuberlich dreizeilig unterein-ander gesetzt, war ein Garant genauester topographischer Darstellung,gesehen von einem Romantiker von unendlichem Fleiß. Ein Maler derIdylle, ein Wanderer bis ins hohe Alter auf der Suche nach einerverlorenen, vergangenen Welt." Auch Ernst Hanausek spricht in einemAufsatz Ernst Bilkos Freude an seinen künstlerischen Wanderungenan und erwähnt seinen Fleiß und seine erstaunliche Arbeitskraft. 12 Aufseinen Reisen durch viele Länder Europas hielt er Natur und Kultur inseinen Studien und Skizzen fest, schuf phantasievolle Märchenbilderund war auch auf dem Gebiet der Volkskunde tätig. 1932 veröffentlichte

10 Johann Hagenauer: 850 Jahre Gumpoldskirchen. 1140-1990. Wege in die Gegen-wart. Gumpoldskirchen 1990.

11 Ebda., S. 272.

12 Ernst Hanausek: Berge der Romantik. Der Maler Franz Bilko. Einzelblatt o.O. u. J.

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