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Sammlung religiöse Volkskunst mit der alten Klosterapotheke im ehemaligen Wiener Ursulinenkloster : Katalog
Entstehung
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Die genaue Datierung der in einem Zuge errichteten Apothekenausstattung istsolange nicht möglich, als nicht irgendwelche archivalische Nachrichten( Verträge, Rech-nungsbelege oder Konventsprotokolle des Wiener Ursulinenklosters) zum Vorscheinkommen. Die- Annahme jedoch, daß die Klosterapotheke im zweiten Viertel des 18. Jahr-hunderts in ihrer gegenwärtigen Form eingerichtet wurde, stützt sich nicht nur auf stil-kritische Erwägungen, sondern auch auf drei Datierungen, die auf dem Ölgemälde Christus als Apotheker"( 1747) und in den Meistermarken auf den Zinngefäßen( Marken des Zinngießers Johann Caspar Ribola mit Jahreszahl 1705 und Franz JosephSchindler, Bürgerrecht 1731, Verlassenschaft 1746) gefunden werden konnten. Schrift-liche Nachrichten bestätigen überdies, daß in den Jahren zwischen 1734 und 1745 unterdem Baumeister Anton Martinelli am Gebäude des Ursulinenkonvents verschiedeneErweiterungs- und Umgestaltungsarbeiten durchgeführt wurden. Das Refektorium desKlosters, das in mehrfacher Hinsicht als bauliches Gegenstück zur Hausapotheke betrach-tet werden kann, wurde 1741 vollendet. 7) In diesen Jahren also dürfte die Kloster-apotheke in ihrer bis heute erhaltenen barocken Form eingerichtet worden sein. 8)

3. Die Wiener Klosterapotheken und ihre Heilmittel

Von Kurt Ganzinger

Die Klosterapotheken beruhen auf einer altehrwürdigen und für die Pharmazieim allgemeinen höchst bedeutsamen Tradition. Waren es doch die Ordensleute, welchewährend des Verfalles der antiken Kultur aus christlicher Nächstenliebe die Ausübungder Heilkunde übernahmen und damit im wesentlichen das alte medizinische Wissens-gut in Tat und Schrift der Folgezeit überliefert haben. Für Benedikt von Nursia selbst,der im Jahre 528 das Kloster auf dem Monte Cassino bei Neapel gründete, das zumVorbild für das abendländische Glossar ::: zum Glossareintrag  abendländische Mönchtum werden sollte, ist bezeugt, daß er sich derKranken angenommen hat, und noch rund tausend Jahre später war ein nach ihmbenanntes Medikament in Gebrauch. Bald gab es innerhalb der Klöster neben demKrankenzimmer und dem Kräutergarten einen besonderen Raum, der als Apotheke"( was ursprünglich ganz allgemein soviel wie Lagerraum" bedeutet) für die Zuberei-tung und Aufbewahrung der Heilmittel diente. Der als Entwurf erhaltene Bauplan fürdas Kloster St. Gallen vom Jahr 820 zeigt ebenso wie noch die Werke der Architektur-schriftsteller des 18. Jahrhunderts, daß eine solche Apotheke ein feststehender Bestand-teil jeder Klosteranlage war. Mögen die heilkundigen Mönche zunächst auch in derArt der antiken Ärzte die Medikamente für ihre Patienten selbst hergestellt haben, sodürfte doch gerade in den Klöstern die Arzneibereitung frühzeitig bestimmten Brüdernüberlassen worden sein. Und damit vollzog sich offenbar hier bereits jene Spezialisi-rung, die im weltlichen Bereich erst dann eintrat, als etwa seit dem 12. Jahrhundertdie an den eben begründeten Hohen Schulen ausgebildeten Ärzte diese Aufgabe einemsich damals neu entwickelnden Berufsstand überließen und so die ersten öffentlichenApotheken entstanden. Ihre Zahl blieb zunächst vor allem nördlich der Alpen sehrgering, sie beschränkten sich noch lange Zeit ausschließlich auf die größeren Städteund fürstlichen Residenzen. So bestanden auf dem Lande auch weiterhin die Apothe-ken der Stifte und Klöster, die neben den Ordensgeistlichen und Laienbrüdern, den Zög-lingen und Dienstleuten der klösterlichen Hausgemeinschaft auch die Bevölkerung derUmgebung zu versorgen hatten. Als mit dem Sanitätshauptnormativ von 1770 in allenösterreichischen Ländern die Leitung einer Apotheke den ordnungsgemäß ausgebilde-

7) Anonym, Zwei Jahrhunderte des Ursulinenklosters in Wien 1660- 1860, Wien 1860, S. 21, 32.8) Klaus Beit 1, Die Hausapotheke des ehemaligen Ursulinenklosters( Wien),( Osterreichische Zeit-schrift für Kunst und Denkmalpflege XVI. Jg., Wien 1962, S. 52- 56, 4 Abb.)

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