denen Wirtschaftseinganges darstellt wurde sorgfältig darauf Bedacht genommen,den Gesamteindruck dieser in Wien doch eigentlich einzigartigen Klosterfront nichtzu stören. 21)
Das Ursulinenkloster war eine Stiftung der Kaiserin Eleonore, der Witwe KaiserFerdinands III. Mit ihrem Leben und ihrem Wirken ist ein sehr großer Teil der reli-giösen Kulturgeschichte Wiens verbunden. 22) Ihrem Gemahl( Kaiser von 1637- 1657)war es auferlegt, die zweite Hälfte des Dreißigjährigen Krieges durchzuhalten. AlsKönig von Ungarn noch hatte er 1634 zusammen mit dem Kardinalinfanten Ferdinandden bedeutendsten Sieg des kaiserlichen Heeres gegen die Schweden bei Nördlingenerfochten; Rubens hat die Begegnung der beiden Ferdinande 1635 glanzvoll gemalt,das Bild hängt im Kunsthistorischen Museum. 28) Als Kaiser mußte er jedoch erleben,wie sich zehn Jahre später das Kriegsglück nochmals furchtbar zu seinem Ungunstenneigte, wie 1645 nach der trotz tapferer Gegenwehr schließlich doch verlorenenSchlacht bei Jankau die Schweden nach Niederösterreich einmarschierten. 24) Aber alsdie Schweden schon am Nordufer der Donau Wien gegenüber lagerten,„ schenkte undweihte der Kaiser sich selbst, seine Kinder, Völker, Heere und Provinzen Gott, demhöchsten Kaiser des Himmels und der Erde, durch den die Könige regieren, und derJungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag Jungfrau, Gottesgebärerin und unbefleckt Empfangenen, durch welche die Fürsten herr-schen, als der besonderen Herrin und Patronin Österreichs". 25) Die Schweden zogenab, und Ferdinand III. ließ als Dankeszeichen die Mariensäule auf dem Platz am Hoferrichten, auf der diese Weiheformel zu lesen ist. Äußerlich ist die 1647 errichteteSäule sicherlich mit der Münchner Mariensäule nahe verwandt. die 1638 errichtetworden war. Aber während diese die Madonna trägt, die Himmelskönigin und Gottes-mutter, so trägt die Wiener Mariensäule ein reines Immaculata- Standbild. Die vonTobias Pock gezeichnete und ausgeführte Plastik entspricht also thematisch genau derPlastik, welche Messerschmidt ein Jahrhundert später für das Savoyische Damenstiftschuf, dem Ursulinenkloster gegenüber.
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Auch an dieser inneren Kontinuität der barocken Frömmigkeit war die Kaiserin-witwe Eleonore stark beteiligt, die Berufung der Ursulinen von Lüttich nach Wien warnur eine der vielen frommen Handlungen, die sie in ihrem daran so reichen Lebensetzte. Vermutlich brachten die Klosterfrauen schon in den Jahren der Gründung, um1663, bestimmte Züge der Andacht aus den Niederlanden nach Wien. LebendigesZeugnis dafür blieb die Verehrung des Gnadenbildes von Foja bei Dinant in Belgien. 26)Dieses Gnadenbild ist einstmals beim Fällen einer alten Eiche gefunden worden. Nach-bildungen wurden dann aus dem Holz dieser Eiche angefertigt, wie denn auf jener imUrsulinenkloster befindlichen, die Aufschrift zu lesen ist:„ Es ist gewiß, daß dieseStatue von der ersten Eiche U. L. Frau von Foja bei Dinant an der Maas ist. MariaBastien von Dinant gab sie dem P. Noë Roberti Yuckl de la Tour S. J. im Jahre 1658;dieser spendete sie dem Herrn von Jonghen für dessen Schwester bei den Ursulinen inWien am 21. November 1666." 27) Das war also während der Bauzeit von Kloster
21) Waltraud Blauensteiner, wie oben Anm. 2.
22) Friedrich Walter, Wien. Die Geschichte einer deutschen Großstadt an der Grenze. Bd. II,Wien 1941, S. 208 und öfter.
23) Katalog der Gemäldegalerie. II. Teil. Vlamen, Holländer, Deutsche, Franzosen(= Führer durchdas Kunsthistorische Museum Nr. 7) Wien 1958, S. 114 f., Nr. 323
24) Georg Winter, Geschichte des Dreißigjährigen Krieges. Berlin 1894, S. 563.Friedrich Walter, Wien, Bd. II, S. 86 f.
25) Anna Coreth, Pietas Austriaca. Ursprung und Entwicklung barocker Frömmigkeit in Oster-reich(= Österreich- Archiv, o. Nr.) Wien 1959, S. 52 f.
26) Stephan Beissel, Wallfahrten zu Unserer Lieben Frau in Legende und Geschichte. Freibg. 1913.27) Alfred Missong, Heiliges Wien. Ein Führer durch Wiens Kirchen und Kapellen. Wien
1933, S. 88f.
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